Vorbereitung auf meine Reisen

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich verstärkt auf mein bevorstehendes Auslandsjahr vorbereitet und viele Bewerbungen geschrieben, für Programme und Stipendien. Ich hatte Glück und bekam verschiedene Stipendien, die es mir ermöglichen, nicht nur wie angestrebt nur ein Auslandsjahr in Russland zu machen, sondern auch einen zweiwöchentlichen Kurzaustausch nach Peking.

Also musste ich mich in den letzten Monaten mehreren Tests und Impfungen unterziehen für meine Gesundheit im nächsten Jahr. Auch sonst war sehr viel zu tun. Zum Beispiel verlangt meine Schule in Russland Schulkleidung: Hemd, dunkle Hose, schwarze (Wechsel)Schuhe. Also erstmal ein Großeinkauf. Warme Sachen dürfen auch nicht fehlen bei einer Reise nach Russland. Und natürlich Gastgeschenke.

Es ist nicht so einfach, für Menschen, die man gar nicht kennt, etwas zu finden. Ich hoffe, mit unseren Stiften, Schneidebrettchen, Kuscheltieren „made in Germany“ (sehr wichtig in Russland), einer Thomaner-CD und den Süßigkeiten liegen wir in Russland richtig. Das Weihnachtsgeschenk haben wir auch schon gekauft: Ein Nussknacker „made in Germany“, aus dem Erzgebirge. Für China haben wir uns für ein Bierglas „Berlin“ gefüllt mit Gummibärchen (es sieht aus wie Bier mit Schaumkrone), Schlüsselanhänger, Kalender, Schokolade und weiteren Süßigkeiten entschieden. Das Ganze haben wir in Rot verpackt, denn Rot ist die Glücksfarbe in China, da kann man nichts falsch machen. (Gelbe Verpackungen sind dagegegen tabu, die Farbe steht für Unglück.) Um den Geschenkkarton hat meine Mutter deshalb eine extra dicke rote Schleife gebunden.

Peking, ich komme.

Fernsehen in Kasachstan

In Kasachstan muss man um Kasachstan zu erleben nicht einmal das Haus verlassen. Alles was es interessantes zu sehen gibt sieht man im hiesigen Fernseher. Ob regional oder national im Kasachischen Fernsehen sieht man Reissäcke umfallen und Erdbeeren sich verkaufen. Gerade jetzt in Zeiten der EXPO 2017. Jeden Tag, jede Stunde erfährt man etwas zu den Pavillons der verschiedenen Teilnehmer. Natürlich alles zweisprachig. Es gibt ja auch viel zu berichten über erneuerbare Energien und das seit drei Wochen.

Steppe in Kasachstan

Oft werden belanglose Dinge gezeigt oder einfach Aufnahmen von der Steppe mit kasachischer Nationalmusik dazu. Heute wurde viel vom Fest gezeigt, das in allen Städten gefeiert wurde, den Geburtstag des Präsidenten und der damit verbundene Geburtstag der Hauptstadt Astana. Alle Leute lächelten in die Kamera und sagten mit übergroßer Überzeugung, dass Astana die schönste Stadt der Welt sei. Das fand ich etwas altmodisch, man muss ja nicht in die Zeiten der Wochenschau hinabgleiten.

Wegen dieser Eintönigkeit haben viele Kasachen einen SmartTV-fähigen Fernseher. So können sie Internetfernsehen oder mit ihren Kindern Youtube Videos anschauen.

Leider gucken die Menschen hier im Norden oft auch Russisches Fernsehen, sodass sie nochmal von der Propaganda von Putin getroffen werden. So fragten sie uns zum Beispiel

Habt ihr denn keine Angst auf die Straße zu gehen bei den ganzen Schwarzen die auf den Straßen herumlaufen

Wir waren sehr schockiert über ihre Aussagen, hielten es ihnen jedoch nicht vor, da sie es durch falsche Berichterstattung nicht besser wussten.

Ein Präsident hat Geburtstag

Heute feiert das ganze Land den Geburtstag des Präsidenten. Schon seit dem frühen Morgen wechseln sich im TV bunte Show Programme mit Übertragungen der Festlichkeiten in Astana ab. Damit die Leute dieses hohe Fest ausgiebig feiern können, ist auch morgen arbeitsfrei – so ist vier Tage Party angesagt. Das musste letzten Sonntag vorgearbeitet werden. Deshalb waren wir in der Kreisstadt zum Einkaufen.

Porträt_Lissakowsk

Wir fuhren morgens in die Stadt, es regnete sehr stark und wir stapften durch den Matsch zum Auto. Auf ging es über tiefe Schlaglöcher nach Lissakowsk. Kurz hinter dem Dorf wird eine neue Brücke gebaut. Deshalb nutzen alle die Schotterpiste durch das Dorf. Jetzt ist die Straße so zerbeult, dass man bei Regen nur noch Schritt fahren kann. Angeblich kommt im September das Straßenausbesserungskommando. Aber na ja… Das ist wie mit dem BER.

Einkaufsstraße_Lissakowsk

Wir fahren nach Lissakowsk, einer der größeren Städte, die es hier gibt. Sie ist wie die meisten Städte in der Umgebung eine in den 50er Jahren gegründete Stadt. Viele von den Siedlungen entstanden aufgund von Eisenerzfunden, wie zum Beispiel Rudny. Die Stadt feierte kürzlich ihren 60. Geburtstag, noch Tage später war alles herausgeputzt.

Rudny_Strassenreinigung

Die Sowjetunion hatte außerdem ein Besiedlungsprogramm für Kasachstan geplant („Neulanderschließung“), so dass viele Leute aus anderen Orten der Sowjetunion hier Arbeit und ein Zuhause fanden. Viele von ihnen reisten nach dem Fall der Sowjetunion neben den vielen Deutschen aus Kasachstan in die Länder in denen ihre Wurzeln liegen. (Deutschland, Russland, Israel, Armenien, Aserbaidschan, Ukraine…)

In Lissakowsk angekommen, fuhren wir zu einem Geschäft. Von außen sah es unscheinbar aus, aber als wir rein gingen merkten wir, wie sehr das Geschäft versucht westlichen Standard zu schaffen. Alles war sehr sauber und es gab sehr viel Personal. Das Angebot war reichlich, viele Importprodukte. Das Personal schien sehr bemüht, dass alles glänzt. Der Kunde ist König. Es gab Cola, eine ganzen Schrank mit Asia-Produkten, sogar Zutaten zum Sushi machen. In den Tiefkühltruhen lagen Manti und Pelmeni, sogar Blätterteig. Es gab abgepackte Bananen und ein langes Regal voller Milchprodukte. Ich durfte mir aussuchen was ich haben will.

Danach fuhren wir zu einem anderen Geschäft. Auf den ersten Blick schien es ein Modegeschäft (Strümpfe, Unterwäsche, Kinderklamotten), aber es hat auch eine Elektro Abteilung, dort kaufte die Familie einen elektrischen Teekocher – eine Mischung aus Samowar und Thermoskanne. Sie sind hier sehr populär. In dem Gerät wird Wasser erhitzt und den ganzen Tag heiß gehalten. In einer separaten Teekanne wird Teesud bereitgestellt. Den gießt man dann in eine Tasse und füllt mit heißem Wasser aus dem Teekocher auf. Leider halten die Teekocher nicht lange („made in China“) erzählt die Familie, so dass der Laden bestimmt gute Geschäfte macht. Meine Familie hat schon den vierten in zwei Jahren.

Luftballons_Kasachstan

Neben Schreibwaren und allerhand Dekokram gab es auch noch einen Kaugummiautomaten. Auf dem Schild steht, dass man Kleingeld in der Elektroabteilung wechseln soll.

Kaugummiautomat_KasachstanKiosk_Kasachstan

Als wir rausgehen, sah ich mehrere Frauen mit Eimern voller Erdbeeren sitzen – eine Art Markt, wo Leute die Sachen aus ihren Gärten verkaufen. Witziger Weise sah ich sie schon vorher im Regionalfernsehen. Da hier echt jede tote Ratte in der Gegend in den Nachrichten zu sehen ist, verwunderte mich das nicht. (Neues Haus in der Stadt X fertig? TV ist da. Ausstellung in der Stadt Y eröffnet? TV ist da. Regen in der Stadt Z? TV ist da.)

Verkäuferin_Kasachstan

Ich hatte Lust auf ein paar Erdbeeren, da in Berlin gerade Erdbeersaison war. Ein Eimer voll kostete umgerechnet 8.50 Euro. Die Verkäuferin erzählte uns, dass ihr Neffe in Deutschland wohnt – in Hamburg. Fast alle hier haben Verwandte in Deutschland. Am Ende des Ausflugs ging ich glücklich mit einem Eimer Erdbeeren heim.

Einkaufsstrasse_Lissakowsk_Kasachstan

Astana, ich komme

Die Tickets nach Astana sind gekauft. Dafür musste ich in die nächste Stadt fahren, wo es einen Bahnhof gibt. Der Bahnhof ist frisch renoviert – natürlich mit viel hellblau.

Der Ticketschalter sah von außen etwas seltsam aus. Man musste durch ein Fenster sprechen. Aber die Bahntickets sind sehr modern, mit QR-Code. Sie sind auf den Namen und die Passnummer ausgestellt. Man kauft einen festen Platz mit, weil es Schlafwagen sind. Man konnte gleich ein Paket aus Ticket für den Zug und Ticket für die Expo kaufen. Das ist billiger als einzeln. Am nächsten Samstag lande ich sehr früh in Astana – Expo, ich bin bereit.

Ticket

Auf zur glücklichen Insel

Hier ist es in diesem Jahr oft noch recht frisch für die Jahreszeit. (Für mich nicht, aber wer im Sommer 40-50 Grad erwartet findet 25 zu kalt.) Deshalb freuen sich alle, wenn es bei 32 Grad Gelegenheit für eine Flusswanderung gibt. Der Fluss ist nur ein paar Minuten Fußweg entfernt. Dennoch haben die Kinder hier keine Lust zum Laufen.

In diesem Jahr hat der Fluss sehr wenig Wasser, weil Wasserknappheit ist und die Talsperre deshalb im Frühjahr nicht geöffnet wurde. Deshalb kann man jetzt durchwaten – was heißt kann, man muss, um ein schönes Uferplätzchen zu ergattern. Denn mitten im Fluss hat sich eine Insel mit Sandstrand gebildet. Das Ufer ist ansonsten ziemlich steil.

Es war die Eröffnung der Saison für die Familie. Zum ersten Mal waren alle gemeinsam am Fluss zum Schwimmen.

Natürlich habe ich mich gleich ins Vergnügen gestürzt. Der Boden war ganz schön steinig und voll mit Pflanzen, deshalb habe ich die Badeschuhe angelassen.

Obwohl wir gerade ein Festmahl hinter uns hatten, wurde gleich ein Feuer angemacht. Baden und Grillen und Essen gehören hier offenbar zusammen. Fische fangen auch.

Wir blieben, bis die Kühe heimwärts zogen – till the cows come home, in echt. Witzigerweise hatte der Schwager der Familie auf dem Hinweg seine Uhr im Fluss verloren – auf dem Rückweg haben wir sie wiedergefunden. Im Wasser. Sie funktionierte noch. Deutsche Qualität.

Kurz darauf goss es aus Kübeln. Aber nicht lange. Dann wurden wir mit einem Doppelregenbogen belohnt.

Ein Tag als Hirtenjunge

Schafherde_Kasachstan

Ich bin stolz auf mich: Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Schafe und Ziegen gehütet. Tanat, der Schwiegersohn von Natalia Iwanowna musste nämlich raus ins Feld. Eigentlich ist er Lehrer für Informatik und Geschichte. Aber wer essen will auf dem Dorf muss anpacken. Seine Familie teilt sich mit 15 anderen Familien die Hirtenarbeit auf. Es gibt auch professionelle Hirten aber die kosten zu viel. So nimmt jede Familie zwei Tage im Monat die gesamte Herde aus Schafen und Ziegen (ungefähr 100 Tiere) für den ganzen Tag. Auf diese Weise sparen sie Geld. (Was sie nicht haben.)

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Ich frühstücke und treffe mich mit ihm 7.40 vor seinem Haus, wo schon etwa 30 Tiere warteten. Wir laufen los und sammeln an der nächsten Ecke weitere 40 Tiere ein und versuchen sie mit den anderen in eine Gruppe zu scheuchen. Ein paar hauen gleich in die Steppe ab. Bald sind alle Tiere von ihrem Weg abgekommen um sich am Gras zu erquicken.

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Da Tanat gerade andere Tiere von ihren Besitzern abholt, muss ich das erste Mal in meinem Leben Schafe eintreiben. Ich scheuche sie zurück auf die Straße und so können wir weiterlaufen. Als wir die Straße aus der Stadt heraus nehmen um dann in die Steppe zu laufen, wo das saftige Gras ist, kommt eine Kuh uns zur Hilfe, die Herde in Schach zu halten. Als wir die Kuh nicht mehr brauchen, vertreiben wir sie.

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Wir treiben die Tiere in Richtung einer Straße, über die wir hinüber müssen. Als wir auf der anderen Seite sind mit der ganzen Herde, erstrecken sich vor uns die Weiten der Steppe. Weiter geht es durch das harte Steppengewächs, was durch den noch frühen Morgen noch ganz feucht war.

Nach einem 20 Minuten Marsch ruhen wir uns kurz aus. Denn die Tiere immer zusammenzuhalten, und das ohne Hund, ist ganz schön stressig. Jetzt wartete auf mich die eigentliche Überraschung: Tanat stellte mir das WLAN ein! (Echtes WLAN, denn ich habe keine kasachische Telefonkarte für mobile Daten.) Warum es in den Weiten der Steppe Internet gibt, bleibt sein Geheimnis. Aber es klappte.

Steppe Kasachstan

Die Herde lief währenddessen weiter und verschwand aus unserem Sichtfeld, so dass wir uns aufmachten, sie wieder in die richtige Richtung zu lenken. Endlich erreichen wir ein Feld, das eine natürliche Begrenzung bildet. Zeit für eine Rast. Auch das Pferd braucht eine Pause. Es ist klein wie ein Pony, aber ganz schön wild.

Reiter_KasachstanPferd_mit_Berliner_Kasachstan

Schließlich landet die Herde langsam aber sicher auf das Gebiet eines Feldes.

Mein_Tag_als_Hirtenjunge

Wir treiben sie wieder zurück und setzen uns eine Stunde um Pause zu machen.

Ziegenbock_KasachstanHerde_Steppe_Kasachstan

Gegen Mittag treiben wir die Herde in ein kleines Gehege. Dort bleiben sie, während wir zurück ins Dorf zum Essen gehen.

Stall_Schafe_Kasachstan

Nach drei Stunden marschieren wir wieder bis 7 Uhr abends durch die Steppe. Eigentlich wollen wir am Fluss entlang gehen, auch weil wir vorhaben, mal kurz hinein zu springen. Doch da haben wir die Rechnung ohne die Schafe gemacht. Also wieder über harte Grasbüschel und viele Erdhügel mitten hinein ins Steppenland.

Schafe_KasachstanSteppe_Kasachstan

Als wir wieder in der Stadt ankommen warten schon viele Leute am Straßenrand, die ihre Tiere wieder nach Hause bringen wollen. Um ihre Tiere auseinander zutreiben und von der Herde loszureißen, machen sie Geräusche, die das Mähen von den Schafen nachahmen sollen.

 

 

Blau wie der Himmel über Kasachstan

 

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Wo man hinschaut in Kasachstan leuchtet es hellblau: Die Flagge, Hausdächer, Türen. In der Flagge soll hellblau den Himmel über Kasachstan symbolisieren, der in der Tat ziemlich oft ziemlich blau ist. Der Himmel steht auch für die Freiheit des kasachischen Volkes und für den Himmelsgott Gök Tanri, der die Turkvölker verbindet.

Flagge Kasachstan

Doch die Beliebtheit der Farbe hat noch einen anderen Grund: Viele Leute hier glauben, dass Fliegen und Insekten allgemein hellblau nicht mögen. Deshalb werden Häuser oft hellblau angestrichen, zumindest zum Teil. Viele Türen sind hellblau, so auch auf dem Hof meiner Gastfamilie, zum Beispiel hier die Banja (Badehaus).

Banja_Anstrich_Kasachstan

Da der Winter hier sehr kalt ist, heißt es im Sommer Ärmel hoch. Natürlich musste ich auch mit anfassen.

Farbeimer_KasachstanAnstrich_Banja_Kasachstan

Am Ende erstrahlte das Badehaus innen und außen wie neu.

Banja_Anstrich_OfenBanja_Eingang_KasachstanBanja_innen_Kasachstan

Natürlich hellblau – wie der Himmel.

Haus_Dorf_Kasachstan

 

Im Sommer an den Winter denken

Katzen_Dorf

Faul den Sommer verschlafen können in Kasachstan nur die Katzen. Alle anderen müssen rechtzeitig an den Winter denken. Zum Beispiel Kräuter trocknen, Obst und Gemüse einwecken, Fleisch konservieren.

Kräuter_KasachstanPilze_eingeweicht_Kasachstan

Heute ging es ans Pilze einwecken. Die braucht man für viele Gerichte der russischen Küche. Da im Winter der Schnee meterhoch liegt, kann man nicht einfach in die Stadt fahren. Die Preise in den Läden im Dorf sind sehr hoch, denn auch sie müssen weit fahren. Natalia Iwanowna kauft dort nur wenige Sachen.

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Um die Gläser und Deckel zu sterilisieren, werden sie vorher gewaschen und gekocht.

Gläser_Einwecken_Kasachstan

Die Pilze werden gekocht und danach in Gläser gefüllt und mit einem Sud begossen.

Sud_PilzeSommerküche_Kasachstan

Anschließend stellt man die Gläser auf den Kopf. Das tötet die Bakterien im Deckel. Es entsteht ein Vakuum. So halten die Pilze mehrere Jahre.

Pilze_Sommerküche_Kasachstan

Zu den Fischen durch die Geisterstadt

Steppe

Am späten Mittag wurde mir verkündet, dass es heute nach langem Versprechen endlich zum Angeln geht. Wir fahren um 17 Uhr los und verlassen unser Dorf mit dem Auto.

Kühe_Steppe_KasachstanSteppe_Kasachstan

Es gibt viel zu sehen: Die schöne Natur zwischen Strommasten und Mülldeponien der einzelnen Dörfer. Ich sehe nur wenige Hügel, sonst ist die Steppe hier ganz flach. Man sieht die Hügel in der Ferne, keine Hindernisse verstellen unseren Weg. Nur primitive Strommasten und hier und da eine industrielle Eisenbahnstrecke, viele leerstehende Ställe am Straßenrand.

Ställe_Landschaft_Kostanai

Dieser Landstrich ist abgewirtschaftet. Es gibt nur noch wenige Ressourcen so scheint es. Ab und zu sehe ich schwere Maschinen, wie die in Brandenburg zur Zeiten der Braunkohleförderung. Die machen Eindruck, zugleich sehe ich sie stillstehen. Ich entdecke nur noch wenige. Man kann sich sicher sein, dass bald alle verschwunden sein werden.

Landschaft_Kasachstan_KostanaiLandschaft_Kasachstan_Strommasten

Die ersten Häuser sind verlassen, die ersten Siedlungen aufgegeben. Wir kommen an Dutzenden Ruinen vorbei, die vom Aufschwung und Abtrieb dieser Region zeugen. Es ist, als würde man durch eine endlose Geisterstadt fahren. Dazu kommt, dass die Straßen staubig sind, so dass es immer trostloser wirkt.

Ruinenstadt_KasachstanStraße_Kostanai

Nach einer Weile kommen wir an einem See mit schönem blauen kristallklarem Wasser vorbei. Wir fahren vorbei und ich frage mich, wohin wir denn wollen, wenn wir an dem See vorbei fahren. Nach weiteren Minuten Fahrt sind wir da. Es ist ein schöner See mit ein paar Bäumen an seinem Ufer. Er ist sehr eingesenkt an unsere Stelle, wo wir geparkt haben. Wir steigen aus.

Panorama_Angeln_Kasachstan

Die Männer meiner Gastfamilie gehen sehr gern angeln. Nicht nur, um den Fisch zu essen, sondern vor allem als Hobby. Sie zeigen mir, wie es geht. Denn ich habe überhaupt keine Ahnung, was ich machen muss.

Angelausflug_Kasachstan

Am Ende war mir das Anglerglück hold: Vier Fische zog ich an Land. Nicht schlecht für mein erstes Angelabenteuer.

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Waschtag auf dem Dorf

Vor meiner Abreise habe ich mir einige Sorgen gemacht, wie das mit dem Wäschewaschen wird in Kasachstan. Deshalb habe ich am Anfang meine Sachen nur selten gewechselt. Dann hat mich meine Gastmutter aber geschimpft. Sie ist wie alle hier sehr auf Ordnung bedacht. Es wird laufend geputzt und gewienert. Und Wäsche gewaschen.

Wäsche_Waschen_Kasachstan

Dafür wird die Waschmaschine mit heißem Wasser befüllt. Dann legt die Maschine los. Das dreckige Wasser kommt über einen Schlauch wieder raus, da muss man dann einen Eimer hinstellen.

Waschmaschine_Kasachstan

Die Wäsche wird im Hof auf die Leine gehangen. Bei der Hitze ist das auch in wenigen Stunden alles trocken. Wenn es regnet kann natürlich nicht gewaschen werden. (Es hat hier schon einige Male den ganzen Tag sehr stark geregnet.)

Waschtag_Kasachstan

Das Wasser in der Badewanne ist Regenwasser. Damit wird der Gemüsegarten gegossen.