Vorbereitung auf meine Reisen

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich verstärkt auf mein bevorstehendes Auslandsjahr vorbereitet und viele Bewerbungen geschrieben, für Programme und Stipendien. Ich hatte Glück und bekam verschiedene Stipendien, die es mir ermöglichen, nicht nur wie angestrebt nur ein Auslandsjahr in Russland zu machen, sondern auch einen zweiwöchentlichen Kurzaustausch nach Peking.

Also musste ich mich in den letzten Monaten mehreren Tests und Impfungen unterziehen für meine Gesundheit im nächsten Jahr. Auch sonst war sehr viel zu tun. Zum Beispiel verlangt meine Schule in Russland Schulkleidung: Hemd, dunkle Hose, schwarze (Wechsel)Schuhe. Also erstmal ein Großeinkauf. Warme Sachen dürfen auch nicht fehlen bei einer Reise nach Russland. Und natürlich Gastgeschenke.

Es ist nicht so einfach, für Menschen, die man gar nicht kennt, etwas zu finden. Ich hoffe, mit unseren Stiften, Schneidebrettchen, Kuscheltieren „made in Germany“ (sehr wichtig in Russland), einer Thomaner-CD und den Süßigkeiten liegen wir in Russland richtig. Das Weihnachtsgeschenk haben wir auch schon gekauft: Ein Nussknacker „made in Germany“, aus dem Erzgebirge. Für China haben wir uns für ein Bierglas „Berlin“ gefüllt mit Gummibärchen (es sieht aus wie Bier mit Schaumkrone), Schlüsselanhänger, Kalender, Schokolade und weiteren Süßigkeiten entschieden. Das Ganze haben wir in Rot verpackt, denn Rot ist die Glücksfarbe in China, da kann man nichts falsch machen. (Gelbe Verpackungen sind dagegegen tabu, die Farbe steht für Unglück.) Um den Geschenkkarton hat meine Mutter deshalb eine extra dicke rote Schleife gebunden.

Peking, ich komme.

Ein Präsident hat Geburtstag

Heute feiert das ganze Land den Geburtstag des Präsidenten. Schon seit dem frühen Morgen wechseln sich im TV bunte Show Programme mit Übertragungen der Festlichkeiten in Astana ab. Damit die Leute dieses hohe Fest ausgiebig feiern können, ist auch morgen arbeitsfrei – so ist vier Tage Party angesagt. Das musste letzten Sonntag vorgearbeitet werden. Deshalb waren wir in der Kreisstadt zum Einkaufen.

Porträt_Lissakowsk

Wir fuhren morgens in die Stadt, es regnete sehr stark und wir stapften durch den Matsch zum Auto. Auf ging es über tiefe Schlaglöcher nach Lissakowsk. Kurz hinter dem Dorf wird eine neue Brücke gebaut. Deshalb nutzen alle die Schotterpiste durch das Dorf. Jetzt ist die Straße so zerbeult, dass man bei Regen nur noch Schritt fahren kann. Angeblich kommt im September das Straßenausbesserungskommando. Aber na ja… Das ist wie mit dem BER.

Einkaufsstraße_Lissakowsk

Wir fahren nach Lissakowsk, einer der größeren Städte, die es hier gibt. Sie ist wie die meisten Städte in der Umgebung eine in den 50er Jahren gegründete Stadt. Viele von den Siedlungen entstanden aufgund von Eisenerzfunden, wie zum Beispiel Rudny. Die Stadt feierte kürzlich ihren 60. Geburtstag, noch Tage später war alles herausgeputzt.

Rudny_Strassenreinigung

Die Sowjetunion hatte außerdem ein Besiedlungsprogramm für Kasachstan geplant („Neulanderschließung“), so dass viele Leute aus anderen Orten der Sowjetunion hier Arbeit und ein Zuhause fanden. Viele von ihnen reisten nach dem Fall der Sowjetunion neben den vielen Deutschen aus Kasachstan in die Länder in denen ihre Wurzeln liegen. (Deutschland, Russland, Israel, Armenien, Aserbaidschan, Ukraine…)

In Lissakowsk angekommen, fuhren wir zu einem Geschäft. Von außen sah es unscheinbar aus, aber als wir rein gingen merkten wir, wie sehr das Geschäft versucht westlichen Standard zu schaffen. Alles war sehr sauber und es gab sehr viel Personal. Das Angebot war reichlich, viele Importprodukte. Das Personal schien sehr bemüht, dass alles glänzt. Der Kunde ist König. Es gab Cola, eine ganzen Schrank mit Asia-Produkten, sogar Zutaten zum Sushi machen. In den Tiefkühltruhen lagen Manti und Pelmeni, sogar Blätterteig. Es gab abgepackte Bananen und ein langes Regal voller Milchprodukte. Ich durfte mir aussuchen was ich haben will.

Danach fuhren wir zu einem anderen Geschäft. Auf den ersten Blick schien es ein Modegeschäft (Strümpfe, Unterwäsche, Kinderklamotten), aber es hat auch eine Elektro Abteilung, dort kaufte die Familie einen elektrischen Teekocher – eine Mischung aus Samowar und Thermoskanne. Sie sind hier sehr populär. In dem Gerät wird Wasser erhitzt und den ganzen Tag heiß gehalten. In einer separaten Teekanne wird Teesud bereitgestellt. Den gießt man dann in eine Tasse und füllt mit heißem Wasser aus dem Teekocher auf. Leider halten die Teekocher nicht lange („made in China“) erzählt die Familie, so dass der Laden bestimmt gute Geschäfte macht. Meine Familie hat schon den vierten in zwei Jahren.

Luftballons_Kasachstan

Neben Schreibwaren und allerhand Dekokram gab es auch noch einen Kaugummiautomaten. Auf dem Schild steht, dass man Kleingeld in der Elektroabteilung wechseln soll.

Kaugummiautomat_KasachstanKiosk_Kasachstan

Als wir rausgehen, sah ich mehrere Frauen mit Eimern voller Erdbeeren sitzen – eine Art Markt, wo Leute die Sachen aus ihren Gärten verkaufen. Witziger Weise sah ich sie schon vorher im Regionalfernsehen. Da hier echt jede tote Ratte in der Gegend in den Nachrichten zu sehen ist, verwunderte mich das nicht. (Neues Haus in der Stadt X fertig? TV ist da. Ausstellung in der Stadt Y eröffnet? TV ist da. Regen in der Stadt Z? TV ist da.)

Verkäuferin_Kasachstan

Ich hatte Lust auf ein paar Erdbeeren, da in Berlin gerade Erdbeersaison war. Ein Eimer voll kostete umgerechnet 8.50 Euro. Die Verkäuferin erzählte uns, dass ihr Neffe in Deutschland wohnt – in Hamburg. Fast alle hier haben Verwandte in Deutschland. Am Ende des Ausflugs ging ich glücklich mit einem Eimer Erdbeeren heim.

Einkaufsstrasse_Lissakowsk_Kasachstan

Die „Shopping-Mall“

Laden_Kristall

Dieser Laden heißt „Kristall“. Wir wollen Brot kaufen und Eis. Viele Sachen macht Natalia Iwanowna selbst, sogar Teigwaren. Aber Brot kauft sie im Laden. Für größere Einkäufe fährt sie mit Verwandten in die nächste Stadt. Ohne Auto geht das nicht. Es gibt keinen Bus. Deshalb verkauft der Laden die wichtigsten Sachen: Wodka, Kochtöpfe, Seife, Tütensuppen, Eier.

Getränke_Laden_KasachstanP1030147

Es gibt eine eigene Vitrine für Kinderbedarf: Schulrucksäcke, Basecaps, Turnschuhe, Kuscheltiere.

Vitrine_Laden_Kasachstan

Sogar eine Gefriertruhe mit Fleisch und Pelmeni gibt es.

Gefriertruhe_Laden_Kasachstan

Magenschreck Markt

Kasachstan_Markt

Fleischverkäuferinnen auf einem Markt in Südkasachstan

Zum Glück war ich schon mal in Kasachstan und Kirgistan. Denn es gibt einige Dinge, die „etwas“ anders laufen als in Deutschland. Nämlich richtig krass. Dazu gehört das Einkaufen von Lebensmitteln.

Natürlich gibt es genau wie in Deutschland riesige Supermärkte. Die heißen oft Gypermarket – also Supermarkt XXL. Doch die gibt es nur in den großen Städten. Woanders kauft man traditionell ein. Nämlich auf dem Markt. Da liegt dann Gemüse neben Waschpulver und wer einen Eimer braucht, findet viele Sorten.

Für Deutsche gewöhnungsbedürftig ist auf jeden Fall die Fleischabteilung. So habt ihr Fleisch noch nie gesehen. (Ja, das was da runterhängt, ist kein Vorhang!) Gekühlt wird nichts – deshalb heißt es früh aufstehen. Oder mit den Fliegen teilen.