Auf zur glücklichen Insel

Hier ist es in diesem Jahr oft noch recht frisch für die Jahreszeit. (Für mich nicht, aber wer im Sommer 40-50 Grad erwartet findet 25 zu kalt.) Deshalb freuen sich alle, wenn es bei 32 Grad Gelegenheit für eine Flusswanderung gibt. Der Fluss ist nur ein paar Minuten Fußweg entfernt. Dennoch haben die Kinder hier keine Lust zum Laufen.

In diesem Jahr hat der Fluss sehr wenig Wasser, weil Wasserknappheit ist und die Talsperre deshalb im Frühjahr nicht geöffnet wurde. Deshalb kann man jetzt durchwaten – was heißt kann, man muss, um ein schönes Uferplätzchen zu ergattern. Denn mitten im Fluss hat sich eine Insel mit Sandstrand gebildet. Das Ufer ist ansonsten ziemlich steil.

Es war die Eröffnung der Saison für die Familie. Zum ersten Mal waren alle gemeinsam am Fluss zum Schwimmen.

Natürlich habe ich mich gleich ins Vergnügen gestürzt. Der Boden war ganz schön steinig und voll mit Pflanzen, deshalb habe ich die Badeschuhe angelassen.

Obwohl wir gerade ein Festmahl hinter uns hatten, wurde gleich ein Feuer angemacht. Baden und Grillen und Essen gehören hier offenbar zusammen. Fische fangen auch.

Wir blieben, bis die Kühe heimwärts zogen – till the cows come home, in echt. Witzigerweise hatte der Schwager der Familie auf dem Hinweg seine Uhr im Fluss verloren – auf dem Rückweg haben wir sie wiedergefunden. Im Wasser. Sie funktionierte noch. Deutsche Qualität.

Kurz darauf goss es aus Kübeln. Aber nicht lange. Dann wurden wir mit einem Doppelregenbogen belohnt.

Ein Tag als Hirtenjunge

Schafherde_Kasachstan

Ich bin stolz auf mich: Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Schafe und Ziegen gehütet. Tanat, der Schwiegersohn von Natalia Iwanowna musste nämlich raus ins Feld. Eigentlich ist er Lehrer für Informatik und Geschichte. Aber wer essen will auf dem Dorf muss anpacken. Seine Familie teilt sich mit 15 anderen Familien die Hirtenarbeit auf. Es gibt auch professionelle Hirten aber die kosten zu viel. So nimmt jede Familie zwei Tage im Monat die gesamte Herde aus Schafen und Ziegen (ungefähr 100 Tiere) für den ganzen Tag. Auf diese Weise sparen sie Geld. (Was sie nicht haben.)

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Ich frühstücke und treffe mich mit ihm 7.40 vor seinem Haus, wo schon etwa 30 Tiere warteten. Wir laufen los und sammeln an der nächsten Ecke weitere 40 Tiere ein und versuchen sie mit den anderen in eine Gruppe zu scheuchen. Ein paar hauen gleich in die Steppe ab. Bald sind alle Tiere von ihrem Weg abgekommen um sich am Gras zu erquicken.

Schafe_grasen_Kasachstan

Da Tanat gerade andere Tiere von ihren Besitzern abholt, muss ich das erste Mal in meinem Leben Schafe eintreiben. Ich scheuche sie zurück auf die Straße und so können wir weiterlaufen. Als wir die Straße aus der Stadt heraus nehmen um dann in die Steppe zu laufen, wo das saftige Gras ist, kommt eine Kuh uns zur Hilfe, die Herde in Schach zu halten. Als wir die Kuh nicht mehr brauchen, vertreiben wir sie.

Berliner_Hirte_Kasachstan

Wir treiben die Tiere in Richtung einer Straße, über die wir hinüber müssen. Als wir auf der anderen Seite sind mit der ganzen Herde, erstrecken sich vor uns die Weiten der Steppe. Weiter geht es durch das harte Steppengewächs, was durch den noch frühen Morgen noch ganz feucht war.

Nach einem 20 Minuten Marsch ruhen wir uns kurz aus. Denn die Tiere immer zusammenzuhalten, und das ohne Hund, ist ganz schön stressig. Jetzt wartete auf mich die eigentliche Überraschung: Tanat stellte mir das WLAN ein! (Echtes WLAN, denn ich habe keine kasachische Telefonkarte für mobile Daten.) Warum es in den Weiten der Steppe Internet gibt, bleibt sein Geheimnis. Aber es klappte.

Steppe Kasachstan

Die Herde lief währenddessen weiter und verschwand aus unserem Sichtfeld, so dass wir uns aufmachten, sie wieder in die richtige Richtung zu lenken. Endlich erreichen wir ein Feld, das eine natürliche Begrenzung bildet. Zeit für eine Rast. Auch das Pferd braucht eine Pause. Es ist klein wie ein Pony, aber ganz schön wild.

Reiter_KasachstanPferd_mit_Berliner_Kasachstan

Schließlich landet die Herde langsam aber sicher auf das Gebiet eines Feldes.

Mein_Tag_als_Hirtenjunge

Wir treiben sie wieder zurück und setzen uns eine Stunde um Pause zu machen.

Ziegenbock_KasachstanHerde_Steppe_Kasachstan

Gegen Mittag treiben wir die Herde in ein kleines Gehege. Dort bleiben sie, während wir zurück ins Dorf zum Essen gehen.

Stall_Schafe_Kasachstan

Nach drei Stunden marschieren wir wieder bis 7 Uhr abends durch die Steppe. Eigentlich wollen wir am Fluss entlang gehen, auch weil wir vorhaben, mal kurz hinein zu springen. Doch da haben wir die Rechnung ohne die Schafe gemacht. Also wieder über harte Grasbüschel und viele Erdhügel mitten hinein ins Steppenland.

Schafe_KasachstanSteppe_Kasachstan

Als wir wieder in der Stadt ankommen warten schon viele Leute am Straßenrand, die ihre Tiere wieder nach Hause bringen wollen. Um ihre Tiere auseinander zutreiben und von der Herde loszureißen, machen sie Geräusche, die das Mähen von den Schafen nachahmen sollen.

 

 

Blau wie der Himmel über Kasachstan

 

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Wo man hinschaut in Kasachstan leuchtet es hellblau: Die Flagge, Hausdächer, Türen. In der Flagge soll hellblau den Himmel über Kasachstan symbolisieren, der in der Tat ziemlich oft ziemlich blau ist. Der Himmel steht auch für die Freiheit des kasachischen Volkes und für den Himmelsgott Gök Tanri, der die Turkvölker verbindet.

Flagge Kasachstan

Doch die Beliebtheit der Farbe hat noch einen anderen Grund: Viele Leute hier glauben, dass Fliegen und Insekten allgemein hellblau nicht mögen. Deshalb werden Häuser oft hellblau angestrichen, zumindest zum Teil. Viele Türen sind hellblau, so auch auf dem Hof meiner Gastfamilie, zum Beispiel hier die Banja (Badehaus).

Banja_Anstrich_Kasachstan

Da der Winter hier sehr kalt ist, heißt es im Sommer Ärmel hoch. Natürlich musste ich auch mit anfassen.

Farbeimer_KasachstanAnstrich_Banja_Kasachstan

Am Ende erstrahlte das Badehaus innen und außen wie neu.

Banja_Anstrich_OfenBanja_Eingang_KasachstanBanja_innen_Kasachstan

Natürlich hellblau – wie der Himmel.

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