Auf zur glücklichen Insel

Hier ist es in diesem Jahr oft noch recht frisch für die Jahreszeit. (Für mich nicht, aber wer im Sommer 40-50 Grad erwartet findet 25 zu kalt.) Deshalb freuen sich alle, wenn es bei 32 Grad Gelegenheit für eine Flusswanderung gibt. Der Fluss ist nur ein paar Minuten Fußweg entfernt. Dennoch haben die Kinder hier keine Lust zum Laufen.

In diesem Jahr hat der Fluss sehr wenig Wasser, weil Wasserknappheit ist und die Talsperre deshalb im Frühjahr nicht geöffnet wurde. Deshalb kann man jetzt durchwaten – was heißt kann, man muss, um ein schönes Uferplätzchen zu ergattern. Denn mitten im Fluss hat sich eine Insel mit Sandstrand gebildet. Das Ufer ist ansonsten ziemlich steil.

Es war die Eröffnung der Saison für die Familie. Zum ersten Mal waren alle gemeinsam am Fluss zum Schwimmen.

Natürlich habe ich mich gleich ins Vergnügen gestürzt. Der Boden war ganz schön steinig und voll mit Pflanzen, deshalb habe ich die Badeschuhe angelassen.

Obwohl wir gerade ein Festmahl hinter uns hatten, wurde gleich ein Feuer angemacht. Baden und Grillen und Essen gehören hier offenbar zusammen. Fische fangen auch.

Wir blieben, bis die Kühe heimwärts zogen – till the cows come home, in echt. Witzigerweise hatte der Schwager der Familie auf dem Hinweg seine Uhr im Fluss verloren – auf dem Rückweg haben wir sie wiedergefunden. Im Wasser. Sie funktionierte noch. Deutsche Qualität.

Kurz darauf goss es aus Kübeln. Aber nicht lange. Dann wurden wir mit einem Doppelregenbogen belohnt.

Zu den Fischen durch die Geisterstadt

Steppe

Am späten Mittag wurde mir verkündet, dass es heute nach langem Versprechen endlich zum Angeln geht. Wir fahren um 17 Uhr los und verlassen unser Dorf mit dem Auto.

Kühe_Steppe_KasachstanSteppe_Kasachstan

Es gibt viel zu sehen: Die schöne Natur zwischen Strommasten und Mülldeponien der einzelnen Dörfer. Ich sehe nur wenige Hügel, sonst ist die Steppe hier ganz flach. Man sieht die Hügel in der Ferne, keine Hindernisse verstellen unseren Weg. Nur primitive Strommasten und hier und da eine industrielle Eisenbahnstrecke, viele leerstehende Ställe am Straßenrand.

Ställe_Landschaft_Kostanai

Dieser Landstrich ist abgewirtschaftet. Es gibt nur noch wenige Ressourcen so scheint es. Ab und zu sehe ich schwere Maschinen, wie die in Brandenburg zur Zeiten der Braunkohleförderung. Die machen Eindruck, zugleich sehe ich sie stillstehen. Ich entdecke nur noch wenige. Man kann sich sicher sein, dass bald alle verschwunden sein werden.

Landschaft_Kasachstan_KostanaiLandschaft_Kasachstan_Strommasten

Die ersten Häuser sind verlassen, die ersten Siedlungen aufgegeben. Wir kommen an Dutzenden Ruinen vorbei, die vom Aufschwung und Abtrieb dieser Region zeugen. Es ist, als würde man durch eine endlose Geisterstadt fahren. Dazu kommt, dass die Straßen staubig sind, so dass es immer trostloser wirkt.

Ruinenstadt_KasachstanStraße_Kostanai

Nach einer Weile kommen wir an einem See mit schönem blauen kristallklarem Wasser vorbei. Wir fahren vorbei und ich frage mich, wohin wir denn wollen, wenn wir an dem See vorbei fahren. Nach weiteren Minuten Fahrt sind wir da. Es ist ein schöner See mit ein paar Bäumen an seinem Ufer. Er ist sehr eingesenkt an unsere Stelle, wo wir geparkt haben. Wir steigen aus.

Panorama_Angeln_Kasachstan

Die Männer meiner Gastfamilie gehen sehr gern angeln. Nicht nur, um den Fisch zu essen, sondern vor allem als Hobby. Sie zeigen mir, wie es geht. Denn ich habe überhaupt keine Ahnung, was ich machen muss.

Angelausflug_Kasachstan

Am Ende war mir das Anglerglück hold: Vier Fische zog ich an Land. Nicht schlecht für mein erstes Angelabenteuer.

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