Kein Schaschlik ohne Schlachtfest

Heute wurde ich um 8 Uhr geweckt (normalerweise schlafe ich da an einem Sonntag noch tief und fest). Das Schwein sollte geschlachtet werden – das kommt nicht jeden Tag vor, das musste ich sehen. Zum Glück habe ich gute Nerven. Denn es war eine blutige Sache.

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Die Männer der Familie hatten sich früh an die Arbeit gemacht. Das Schwein war schon tot als ich dazukam. Ich war erstaunt, wie groß so ein Schwein ist. Wie ein Pony.

Schlachtfest_Kasachstan

Mit einem Metallgerüst haben sie das Schwein zu dritt auf den Tisch geschleppt. Das Schwein ist sehr schwer.

Schwein_Messer_Kasachstan

Für Veganer und Vegetarier ist das sicher kein schöner Anblick. Doch wer Fleisch isst, sollte das mal angesehen haben. Das Schnitzel wächst nicht in der Verpackung!

Schwein_Beine_Kasachstan

Zuerst werden die Haare abgebrannt, dann werden die Beine abgehackt. Alle Männer der Familie helfen mit, auch der kasachische Schwiegersohn. (Kasachen sind theoretisch Muslime und essen kein Schwein, aber in der Praxis ist ihnen das meist egal.) Ich habe zugesehen, wie der Bauch langsam aufgeschnitten wird. Die Fettschicht ist ungefähr 20 cm. Das wird später zu Speck verarbeitet (geräuchert, gesalzen). Mein Gastvater ist von der Nationalität her Ukrainer, der ukrainische Speck ist sehr berühmt.

Schwein_aufgeschnitten_KasachstanInnereien_Schlachtfest_Kasachstan

Anschließend wird der Kopf abgeschnitten und in eine Schüssel mit Wasser gelegt. Später wird auch der Kopf gegessen. Nichts wird weggeworfen beim Schlachtfest in Kasachstan. Der Winter ist lang. Nur mit dem, was in den vier Monaten Sommer im Garten wächst, kommt man nicht aus. Vegetarier müssen verhungern – oder reich sein, damit sie alles im Laden kaufen können.

Schweinkopf_Schlachtfest_KasachstanSchweinkopf_KasachstanSchweinekopf_Schüssel

Als sie das Schweinebecken zerhackt haben, bin ich wieder ins Bett gegangen. Es hat noch ein paar Stunden gedauert, bis alles im Tiefkühlfach verstaut war. Die besten Stücke wurden aber gleich in einem großen Topf in Marinade eingelegt. Die gibt es gleich als Schaschlik vom Grill. Schlachtfest!

P1030489Schaschlik_Schlachtfest_KasachstanSchaschlik_Tafel_KasachstanSchaschlik_Kasachstan

 

 

Im Sommer an den Winter denken

Katzen_Dorf

Faul den Sommer verschlafen können in Kasachstan nur die Katzen. Alle anderen müssen rechtzeitig an den Winter denken. Zum Beispiel Kräuter trocknen, Obst und Gemüse einwecken, Fleisch konservieren.

Kräuter_KasachstanPilze_eingeweicht_Kasachstan

Heute ging es ans Pilze einwecken. Die braucht man für viele Gerichte der russischen Küche. Da im Winter der Schnee meterhoch liegt, kann man nicht einfach in die Stadt fahren. Die Preise in den Läden im Dorf sind sehr hoch, denn auch sie müssen weit fahren. Natalia Iwanowna kauft dort nur wenige Sachen.

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Um die Gläser und Deckel zu sterilisieren, werden sie vorher gewaschen und gekocht.

Gläser_Einwecken_Kasachstan

Die Pilze werden gekocht und danach in Gläser gefüllt und mit einem Sud begossen.

Sud_PilzeSommerküche_Kasachstan

Anschließend stellt man die Gläser auf den Kopf. Das tötet die Bakterien im Deckel. Es entsteht ein Vakuum. So halten die Pilze mehrere Jahre.

Pilze_Sommerküche_Kasachstan

Im Schlaraffenland

Kompott_Kasachstan

Bei meinen Gasteltern wird den ganzen Tag gekocht. Dann essen immer alle gemeinsam. Es ist wie beim Tischlein-deck-dich. Wenn ein Verwandter oder Bekannter hereinschneit, wird schnell noch ein Teller aufgetan. Es ist immer reichlich da und alle rücken gern zusammen. Heute gab es Plov (ein usbekisches Reisgericht) und Nudelsuppe (die haben die Russland-Deutschen hier eingeführt).

Plov_Kasachstan

Weil in Kasachstan so viele Völker zusammenleben, kochen auch alle die Gerichte von ihren Nachbarn aus Zentralasien. So habe ich bei Natascha schon Manti probiert (ein Gericht der Kasachen), das sind gedämpfte Nudeltaschen mit Fleisch. Oder auch Piroschki, auf deutsch Piroggen (eine Leibspeise der Russen und bisher mein Lieblingsgericht), das sind Hefeteigbrötchen mit Füllung (Kartoffeln, Kraut, Fleisch). Sie werden in Fett ausgebacken.

Piroschki_Piroggen

Fettig liebt man es hier, das gilt besonders für Tschebureki. Das ist ein russisches Fast-Food-Essen, das von den Krimtataren abstammt. Fast-Food nicht bei Natascha: Sie macht alles selbst, Teig, sogar das Fleisch macht sie selbst zu Hackfleisch. Hier habe ich mal fotografiert, wie Tschebureki zubereitet werden.

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Magenschreck Markt

Kasachstan_Markt

Fleischverkäuferinnen auf einem Markt in Südkasachstan

Zum Glück war ich schon mal in Kasachstan und Kirgistan. Denn es gibt einige Dinge, die „etwas“ anders laufen als in Deutschland. Nämlich richtig krass. Dazu gehört das Einkaufen von Lebensmitteln.

Natürlich gibt es genau wie in Deutschland riesige Supermärkte. Die heißen oft Gypermarket – also Supermarkt XXL. Doch die gibt es nur in den großen Städten. Woanders kauft man traditionell ein. Nämlich auf dem Markt. Da liegt dann Gemüse neben Waschpulver und wer einen Eimer braucht, findet viele Sorten.

Für Deutsche gewöhnungsbedürftig ist auf jeden Fall die Fleischabteilung. So habt ihr Fleisch noch nie gesehen. (Ja, das was da runterhängt, ist kein Vorhang!) Gekühlt wird nichts – deshalb heißt es früh aufstehen. Oder mit den Fliegen teilen.