Chinesische Touristen sind überall, China Teil 7

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Mitten in Peking

Zu unserem Aufenthalt gehörte auch ein Kulturprogramm. Wir besuchten zum Beispiel das Chinesische Nationalmuseum, den Tiananmen Platz und die Verbotene Stadt und natürlich die Mauer. Die Zeit gerade im Museum und in der Verbotenen Stadt war jedoch leider jeweils sehr, sehr kurz, so dass wir uns vieles nur im Vorbeihetzen anschauen konnten. Da hätte ich mir viel mehr Zeit und Erläuterungen gewünscht, obwohl ich mich vorher schlaugemacht und viel gelesen habe.

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Chinesische Touristen sind überall, auch in China

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In der Verbotenen Stadt haben wir gleich mal ein Mädchen verloren. Kein Wunder, so viel Menschen wie hier überall herumlaufen. Es war eine ziemliche Aufregung, aber wir haben sie wiedergefunden.

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Blick über die Palastdächer

Verbotene Stadt 3

Verbotene Stadt

In der Verbotenen Stadt

Ein weiterer Höhepunkt unserer Peking-Reise war der gemeinsame Trip zur Mauer. Das hat mir sehr gefallen. Ein solches Bauwerk, das sich zehntausende Kilometer durch unsere Welt erstreckt, das schon uralt ist und dennoch steht ist nicht nur bemerkenswert, sondern sieht auch gut aus.

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The Great Wall of China

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Die Mauer, die Chinesen und ich

Ich hatte sehr viel Spaß beim Fotografieren und war dennoch angestrengt wie schon lange nicht mehr. Die Hitze und die vielen Menschen waren eine echte Herausforderung. Vor allem waren sehr viele Treppen zu überwinden, denn anders als mancher sich das vorstellt ist die Mauer ja nicht eben, sondern verläuft über Berge und Täler. Die Treppen sind zum Teil so steil, dass die Chinesen hinaufkrabbeln wie die Käfer, um Kräfte zu sparen.

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Ich bin der Kaiser von Peking, China Teil 6

Mein Sommerpalast

Mein Sommerpalast…

Unvergesslich ist der herrliche Tag im Sommerpalast. In dieser Parkanlage haben die chinesischen Kaiser im Sommer Erfrischung gesucht. Gemeinsam mit anderen aus der Gruppe (Chinesen und Deutsche) erkundeten mein Gastbruder und ich die sehr weitläufige Anlage und genossen einen echt chinesischen Wochenendtag – das heißt Menschenmassen, wohin das Auge reicht.Daran waren wir zum Glück schon gewöhnt, denn so sieht es überall in Peking aus.

Menschenmenge

Ganz Peking auf den Beinen

Im Laufe des (sehr heißen) Tages hatten wir Gelegenheit, uns alle besser kennenzulernen. Wir Jugendlichen aus Deutschland haben schnell gemerkt, dass Jungen und Mädchen in China in einer gemischten Gruppe nicht so freundschaftlich miteinander umgehen wie es bei uns üblich ist. Leider kam es darüber unter den chinesischen Jugendlichen zu Konflikten. Da habe ich dann verstanden, warum es im Programm auch einen Workshop zum Thema Gender gab, was ein Berliner Schüler ja nun wirklich seit der 1. Klasse immer wieder hört. Offenbar war der Kurs nicht für uns gedacht.

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Vor allem das stereotype und gleichzeitig aggressive Verhalten der Mädchen hat mich schockiert. Das war ein guter Anlass, darüber mit denen zu sprechen, die ein Austauschjahr in Deutschland planen. Denn ein solches Verhalten wäre an einer deutschen Schule nicht akzeptabel.

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Trotz dieser Misstöne war der Tag im Sommerpalast einer der Höhepunkte meiner Reise, auch weil wir durch die Diskussionen so viel über unsere Kulturen gelernt haben und wirklich Zeit miteinander verbringen konnten.

Sommerpalast Peking 2

Sommerpalast Peking

Ein Asiate in Asien, China Teil 5

Blick über Palastdächer

In der Verbotenen Stadt

Mein Gastbruder ist so alt wie ich und verbringt seit August ein Jahr in Deutschland. Deshalb war es für ihn natürlich besonders interessant, sich mit mir zu unterhalten und sich so schon ein bisschen auf Deutschland einzustimmen. Wir haben uns sehr gut verstanden (auch weil er Englisch spricht) und sehr viel Zeit zusammen verbracht, uns die Stadt zusammen angesehen und kleine Ausflüge gemacht.

Unterwegs in der Stadt

Unterwegs in der Stadt

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Nach dem Kursprogramm sind wir auch einige Male einkaufen gegangen, so dass ich die Tricks, wie man den besten Preis aushandelt, bald gelernt habe. (Regel Nummer 1: Wenn dir jemand einen „special price“ für Schüler nennt, weißt du, der ist mindestens 10fach überteuert.) Manche Händler wurden auch sehr wütend, als sie das mitgekriegt haben und bedachten mich mit Flüchen, weil ich bei ihnen was gekauft habe zum Preis, den auch Chinesen bezahlen würden. Das war schon ein bisschen erschreckend, denn es hat sie ja niemand gezwungen, für den Preis zu verkaufen.

Souvenirs Souvenirs

Souvenirs, Souvenirs

Da ich zur Hälfte Asiate bin und für Chinesen aussehe wie aus dem Norden von China, gab es auch einige merkwürdige Situationen, die zeigen, dass Ausländer in China anders behandelt werden. Zum Beispiel muss man an der Metro sein Gepäck auf die Sicherheitsschleuse legen und selbst einige Meter weg durch den Metalldetektor laufen. Als ich durch war und meinen Rucksack an der Schleuse wieder in Empfang nehmen wollte, war der weg. Obwohl er direkt hinter dem Rucksack von meinem Gastbruder durch die Kontrolle gefahren ist. Mir blieb fast das Herz stehen. Denn darin war mein Pass, den wir an diesem Tag für einen Besichtigungstermin mitnehmen sollten. Und meine Kreditkarte! Als mein Gastbruder und ich dann nachfragten, ging der Wachmann an einen Schrank und holte ihn heraus. Angeblich hätte ich ihn liegenlassen. Was ich glaube: Als sie gemerkt haben, dass ich kein Chinese bin, haben sie den Rucksack lieber schnell wieder rausgerückt.

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Auch das ist Peking

An einem anderen Tag kam es innerhalb der Wohnanlage der Gastfamilie zu einer komischen Begegnung mit einem Wachmann. Er hörte, dass ich mit meinem Gastbruder Englisch gesprochen habe und wurde darüber ganz böse, weil er erst nicht verstanden hat, dass ich kein Chinese bin. Dann meinte er, dass Ausländer hier nichts zu suchen haben und er uns nicht durchlässt. Erst eine lange Ansprache von meinem Gastbruder konnte ihn überzeugen, so dass wir zurück in die Wohnung konnten.

Flagge vor der Mauer

Abenteuer Schattentheater, China Teil 4

Schattentheater

Schatten und Licht

Aber wir waren ja nicht nur zum Essen in China. Gemeinsam mit 12 chinesischen Jugendlichen beschäftigten wir uns zwei Wochen lang mit chinesischen Theatertraditionen und vor allem dem Schattentheater.

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Hierbei lernten wir aber nicht nur die traditionellen Facetten des Schattentheaters kennen. Im Workshop beschäftigten wir uns auch damit, uns theatralisch zu entfalten. Neben Übungen zum Lockerwerden gehörten dazu auch Improvisationen. Uns wurde zudem eine traditionelle Aufführung gezeigt mit Musik und allem „Drum und Dran“. Dann durften wir uns selbst eine Geschichte ausdenken und die echten Figuren von den professionellen Puppenspielern nutzen.

Kalligraphieworkshop

Kalligraphieworkshop

Sehr viel Spaß gemacht hat mir der Workshop in Kalligraphie. Das hatte ich schon einmal bei einer Schulprojektwoche ausprobiert, das von der Mutter einer chinesischen Klassenkameradin angeleitet wurde. Deshalb hatte ich mich darauf besonders gefreut und wurde nicht enttäuscht. Ich kann jetzt meinen Namen auf Chinesisch schreiben – und der hat ganz schön viele Silben. Denn westliche Namen werden in China mit Zeichen geschrieben, die so ähnlich ausgesprochen werden wie die deutschen Silben. Dann kommt eben der ein oder andere Laut dazu.

Fächer Peking

Am gleichen Abend hatten wir dann noch einen Workshop zum Thema Schattentheater. Dieser war jedoch besonders, da wir nicht nur unsere eigene Geschichte entwickeln konnten, sondern auch die Figuren selbst gestaltet haben. Das hat mir besonders Spaß gemacht.

Zwischendurch machten wir eine Pause, in der wir Wantan machten. Natürlich aßen wir diese dann auch. Das war leider oft nicht so einfach, da durch unsere nicht vorhandene Erfahrung beim Essen das Fleisch aus dem Teig fiel. Dieser Tag ist mir im Gedächtnis geblieben, und ich hätte mir mehr Zeit an diesem wundervollen Ort gewünscht.

Die Straßen von Peking

Die einzelnen Seminare haben uns sehr unterschiedliche Aspekte über Land und Leute vermittelt – auch das „Drumrum“ spielte dabei eine Rolle. So war es für die meisten der deutschen Jugendlichen eine Überraschung, dass nur drei der Gastfamilien zur Abschlussvorführung unseres Schattentheaterprojekts gekommen sind. Obwohl viele von ihnen eigene Kinder im Kurs hatten. Das kann ich mir in Deutschland nur sehr schwer vorstellen. Die meisten Eltern, die ich kenne, nehmen sich sogar frei, wenn es eine Aufführung gibt, egal welche.

Ich habe deshalb nachgefragt und erfahren, dass für die meisten chinesischen Eltern vor allem zählt, was für die Schule „etwas bringt“. Das Schattentheaterprojekt war außerhalb der Schule, also nicht so wichtig. So fragte mich meine Gastfamilie zum Beispiel, ob ich bessere Noten bekomme, weil ich an dem Kurzaustauschprogramm teilnehme. Sie waren sehr erstaunt, dass das natürlich nicht so ist. Und noch mehr, als ich erklärte, warum ich das trotzdem für nützlich für mein Leben halte und dass das meine Eltern das auch so sehen. Andere Länder, andere Sitten.

Hundeblut und Kotzfrucht: Esskultur, China Teil 3

Abendessen

Kleiner Snack made in China

Mit meiner Gastfamilie hatte ich sehr viel Glück. Sie waren alle sehr nett und haben sich jede Mühe gegeben, mir einen schönen Aufenthalt zu bereiten. Wir hatten vorher kurz E-Mails geschrieben, so dass sie schon wussten, dass ich bei Essen sehr viel ausprobieren wollte. Am Anfang waren sie nicht so sicher, ob ich das ernst meine und haben mir eher „harmlose“ chinesische Speisen serviert wie Baozi (gedämpfte Teigtaschen mit Füllung). Aber das hat sich schnell „gesteigert“.

Meine Gastmutter hat jeden Tag für uns frisch gekocht, das war natürlich besonders toll, weil das in China nicht so üblich ist. Immer gab es etwas Besonderes für mich zu kosten. Sie wollten mich natürlich auch testen. Am letzten Tag war die Brühe im Hotpot zum Beispiel so scharf, dass sogar meinem Gastbruder die Tränen in die Augen schossen. Mir hat es an diesem Tag besonders gut geschmeckt.

Foodcourt statt Street Food

Foodcourt statt Street Food

Auch auf der Straße habe ich viel ausprobiert: Stinkenden Tofu zum Beispiel. Schmeckt. Leider konnte ich keine Kotzfrucht kosten (heißt so, weil sie so stinkt), da ich keine ganze kaufen wollte und es an den Snackverkaufsstellen so etwas nicht gab. Die wächst nicht in der Gegend und ist deshalb teuer. Da muss ich wohl noch mal wiederkommen oder in den Süden von China fahren.

Es gibt auch allerhand kulinarische Merkwürdigkeiten, zum Beispiel Reis am Stiel. Ich hatte auch einmal gefrorene Erbsen, auch am Stiel. Die Chinesen essen lieber herzhaft als süß. Die eigentlichen Süßigkeiten sind dann aber wiederum so süß, dass man sich das Erbseneis zurück wünscht.

Reis am Stiel

(R)Eis am Stiel

Hotpot

Hotpot

Beim Essen gab es die ein oder andere witzige Situation. Einmal schwamm in der Hot Pot Brühe so eine Art Wackelpudding. Ich fragte nach, was es ist: Hundeblut. Es war sehr lecker. Als ich schon nach Hause geschrieben hatte, dass in China tatsächlich Hunde gegessen werden, löste sich das Missverständnis auf: Es war Entenblut (duck blood), ich hatte mich aufgrund der Aussprache verhört und Hundeblut (dog blood) verstanden. Wir haben sehr gelacht.

Mit meiner Gastfamilie konnte ich sehr gute Gespräche führen, sogar über Politik und Geschichte, wofür ich mich besonders interessiere. Zwar hatten sie natürlich oft eine andere Meinung als ich, zum Beispiel zum Thema Taiwan, aber ich fand es interessant, ihr Perspektive zu hören. Insgesamt war der Aufenthalt in der Gastfamilie für mich die beste Art, wirklich etwas über das Land zu erfahren.

Ich war mit sieben Jahren schon einmal in Peking und konnte mich an viele Dinge erinnern, die es jetzt nicht mehr gibt. Zum Beispiel sind alle Straßenhändler verschwunden, es gibt keine Gemüsehändler am Straßenrand mehr, keine Verkäufer mit frischer Sojamilch oder frittiertem Brot von der Schubkarre morgens um sechs, zumindest da, wo die Gastfamilie wohnt. Denn es gibt jetzt nur noch reguläre Geschäfte. Die haben manchmal eine Luke und verkaufen auf die Straße, das ist jedoch nicht das gleiche Feeling. Ansonsten gibt es Foodcourts in den Shopping Malls.

Im Markt

Das hatte ich schon in der Zeitung gelesen, konnte mir das aber nicht vorstellen. Die Idee dahinter ist, auf diese Art chinesische Wanderarbeiter aus der Stadt zu vertreiben, da sie meist diese einfachen Jobs gemacht haben. Ich persönlich finde das sehr schade, denn die Stadt sieht dadurch nicht mehr so interessant aus.

Auch viele schöne Dinge sind verschwunden wie die traditionellen geflochtenen roten Glücksbringer, die ich für meine Freunde kaufen wollte. In den Souvenirgeschäften werden nur sehr hässliche Varianten verkauft. Meine Gastfamilie meinte dazu, das wäre eben altmodisch gewesen, zehn Jahre in China sei eine lange Zeit und jetzt wäre alles viel besser und moderner. Aber in Deutschland gibt es ja auch Kuckucksuhren und Lederhosen und Mauerstücke zu kaufen, und gerade Chinesen lieben Fachwerkhäuser oder Gründerzeitvillen. Aber das wäre etwas ganz anderes, fand die Familie. (Wahrscheinlich halten sie Europa insgesamt für ein Museum mit angeschlossenem Museumsshop…)

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Peking 2018

Sehr skurril fanden wir alle, dass es viele Lebensmittel aus Deutschland gibt, sogar Milch. „Made in Germany“ gilt unter wohlhabenden Chinesen als schick – das muss man sich leisten können, denn die Milch ist auch nach deutschen Verhältnissen nicht gerade billig für H-Milch.

Geld verdienen mit Milch aus Deutschland

Milchparade „made in Germany“

Leben im Staate Mao Tsedongs: Ein Schweigen und Umgehen, China Teil 2

Willkommen in Peking.jpgIn den zwei Wochen in denen ich in China und in meiner Gastfamilie leben durfte habe ich viel davon mitbekommen, wie das leben hier ist. In Deutschland haben wir uns schon an die Gedanken der beinahe uneingeschränkten Meinungsfreiheit gewöhnt. In China hingegen erlebte ich einen Überwachungsstaat, der mein ganzes Internetverhalten verändert hat. China hat es geschafft alle uns bekannten Medien zu sperren (Facebook, Whatsapp, Instagram, westliche Zeitungswebseiten sowieso), so dass uns nur durch die illegale Nutzung von einem VPN die vollkommene Pracht des Internets zur Verfügung steht.

Marktstand

Trotzdem ist der Stand der Digitalisierung sensationell. Da fällt es richtig auf, wie weit Deutschland bei diesem Thema zurück liegt. So kann man in Peking alles mit dem Handy bezahlen. Sogar an Marktständen hängen Zettel mit dem Code des Inhabers, mit denen man über die App WeChat eine Zahlung veranlassen kann.Das ist insofern schade, dass man Mao nicht mehr so oft in die Finger kriegt – sein Porträt prangt nämlich auf jedem Geldschein.

Natürlich gibt es überall Internet bzw. sehr guten Empfang für mobile Daten. Bei der Fahrt mit der U-Bahn wird auch laufend Werbung im U-Bahntunnel eingeblendet. Was für uns verstörend klingt, ist dort gang und gäbe. Im Tunnel sind etwa 100 Meter lange LED-Panels angebracht. Dort wird dann in der Fahrtgeschwindigkeit des Zuges die Werbung eingeblendet. So kann man die Werbeanzeigen dennoch gut ansehen, ohne dass das Bild an einem vorbeihuscht.

In der Werbung, egal ob in der U-Bahn, auf Plakaten oder im Fernsehen, geht es immer um das Idealbild der weißen Haut. In den Werbeclips sind die Menschen weiß wie Schnee, und zwar so weiß, wie es normal gar nicht vorkommt. So erinnere ich mich an die Werbung für ein sehr teures Smartphone, das einfach in jeder Einstellung vor schneeweißer Haut gezeigt wurde. (Hände, Gesicht…) Gesprochen wurde nicht. Man muss wohl auch nicht mehr sagen, um Chinesen von der Qualität zu überzeugen.

Schirme in Peking

Weil weiße Haut so angesagt ist, laufen alle mit Regenschirmen herum. Das sieht erstmal etwas merkwürdig aus, aber nach einer Weile wünscht man sich selbst so einen Schirm, um ein bisschen Schatten zu erhaschen. Hitze brutal – das ist das, was mir zu meinem chinesischen Abenteuer einfällt. Die hohe Luftfeuchtigkeit lässt die Sonne als deinen besten Feind erscheinen – und das, obwohl ich eigentlich ein Sonnenanbeter bin. Ich habe lange nicht mehr so geschwitzt.

Auf ins Reich der Mitte, China Teil 1

Anflug auf Peking

Wenn ihr das lest, bin ich schon in Sotschi am Meer. Weil ich mich schon lange nicht mehr hier gemeldet habe, gibt es jetzt eine Überraschung: Ich berichte von meiner Reise nach China im Sommer 2018. (@Oma: Das kann man vorher einstellen.) Zwar habe ich schon lange angefangen, Blogbeiträge zu schreiben und auch die Organisation hat ihren Bericht bereits bekommen. Aber… Das Leben als Austauschschüler ist voller Ablenkungen.

Hier also kommt mein Bericht zu meiner Reise nach China 2018, Teil 1:

Heute (20. Juli) geht es endlich los, heute fahr ich endlich nach China. Ich freue mich schon seit Beginn meiner Sommerferien auf diese Reise, durch die ich hoffentlich viele Menschen und ihre Lebensumstände kennenlernen werden.

Für meine Eltern ist es natürlich ein vorgezogener Abschied, da uns ein Monat Zeit verloren geht, bevor ich am 24. August endgültig nach Russland für ein Jahr aufbreche. Unseren letzten gemeinsamen Morgen vor der Reise verbrachten wir deshalb mit einem großen Familienfrühstück. So konnten wir noch einmal richtig lebewohl sagen und mit dem Stress der Vorbereitung auf die beiden großen Abenteuer endlich abschließen.

Bald darauf wurde ich von meinem Patenonkel zum Flughafen Tegel gebracht. Weil die Zeitungen voll von schrecklichen Berichten zu „Infrastrukturschwierigkeiten“ waren (sprich: Berliner Chaos) war ich zweieinhalb Stunden früher da. Fehler. Als ich nun also viel zu früh am Gate saß und darauf wartete, dass endlich mein Flug abfliegen würde, wurde uns gesagt, dass wir 45 Minuten Verspätung haben. Also wartete ich insgesamt 3 Stunden und 15 Minuten, damit ich irgendwann 1 Stunde nach Frankfurt fliege.

Endlich im Flugzeug angekommen, waren die ersten nervös, da sie wie ich ihren Anschlussflug in Frankfurt bekommen mussten. So hetzten alle ins Flugzeug, ohne jedoch den prominenten Gast zu bemerken, der vorne in der Buisiness-Class saß und dort gleich am Gang wohl auf etwas Publicity hoffte. Es war Christian Ulmen. Wäre der Flug nicht voller aggressiver Berliner gewesen, die ganz schnell auf die Malediven mussten, hätte ich beinahe ein Selfie mit ihm gemacht. Mein Vater ist ein großer Fan.

Laternen China

Der Flug ging dann ohne Probleme vonstatten und so waren wir dann auch in einer Dreiviertelstunde am Frankfurter Flughafen. Angekommen sah ich mich schnell um, denn ich musste von Terminal A zu Terminal Z kommen. Ich dachte, ich müsse meine Beine jetzt in die Hand nehmen, um noch meinen Anschluss zu bekomen, der in weniger als eine Stunde Boarding hatte. Erstaunlicherweise befand sich das Gate dann im darüberliegenden Stockwerk. Kurzer Weg von A bis Z.

Unsere Reisegruppe bestand aus 12 Jugendlichen und einem Betreuer der Organisation Youth for Understanding (YFU), die für die Organisation der Reise zuständig war. Die Stiftung Mercator hat das Projekt finanziell unterstützt, zum Glück, denn sonst hätte ich gar nicht mitfahren können.

Am Gate fand ich zu meiner Überraschung meine Reisegruppe nur sehr dezimiert vor. Von den Betreuern erfuhr ich, dass ich zu den ersten gehörte. Als nun meine Gruppe vollständig war und das reichlich knapp nach meinem Befinden stiegen wir ein.

Sofort als ich das Flugzeug betreten und meinen Sitzplatz gefunden habe, kommt meine Sitznachbarin zu mir. Anscheinend ist sie Chinesin, denn sie redet mich sofort auf Chinesisch an. Sie lacht und es scheint mir, als hätte sie einen Witz gemacht. Ich bemerke, dass sie um die 12 Jahre alt sein muss und ihre Eltern auf der anderen Seite des Ganges sitzen. Als sie mich dann wiederum anspricht, kläre ich sie über mein nicht Chinesisch sein auf. Sie macht ein langgeszogenes „oooooooooooohhhhh“. Ich kann ihre Überraschung verstehen, denn über 80% der Lufthansamaschine wird von Chinesen eingenommen. Tja, nicht jeder Deutsche ist blond und blauäugig.

Auf der Mauer

 

Meine Schule: школа No.1 (Schule No 1.)

Meine Schule in Volzhskiy gehört zur Altstadt und wurde in den späten 50er Jahren errichtet. (Die Stadt selbst entstand ab 1957, um für die Arbeiter des Wolgograder Wasserkraftwerks Wohnungen zu schaffen.) Die Schule feierte vor kurzem 65. Geburtstag und kann sich deshalb mit gutem Gewissen No.1 nennen.

Schule Nummer 1, Volzhskiy, Russland

Schule No. 1, Volzhskiy, Russland

Das Motto der Schule lautet: „Schule Nummer 1, wir sind immer Nummer 1“. Das bezieht sich vor allem auf Wettbewerbe, die in Russland sehr beliebt sind. Es gibt Wettbewerbe für Sprachen, für Mathe, für Naturwissenschaften, für Kunst, für Sauberkeit, für alles mögliche.

Die Schule ist in zwei getrennte Gebäudekomplexe unterteilt. Der eine beherbergt Schüler von der 1. bis zur 4. Klasse und der Hauptkomplex Schüler von der 5. bis zur 11. Klasse. Ich bin im Hauptkomplex, denn ich besuche inzwischen die 10. Klasse. Gerade sind wieder einmal Ferien, denn obwohl die Sommerferien in Russland volle 3 Monate dauern, gibt es alle 5 Wochen eine Woche Ferien. Zum Glück, denn so habe ich endlich mal Zeit, hier was zu schreiben.

Klassenzimmer Schule No. 1, Volzhskiy, Russland

Im Unterricht

Ich betrete die Schule immer mit einem mulmigen Gefühl, denn an der Fassade bröckelt der Putz und auch sonst sieht nicht unbedingt alles so aus, als ob der deutsche TÜV hier nichts zu meckern hätte. (Man fühlt sich also als Berliner Schüler fast wie zu Hause.) Aber dann wird man auf Anfrage sofort von den russischen Schülern beruhigt, dass da noch nie etwas passiert sei und es deshalb sicher ist. So bekommt man gleichzeitig ein Gefühl für die russische Seele. Sie unterscheidet sich sehr von der deutschen. Wir in Deutschland planen, denken uns Szenarien aus, schaffen Gesetze und fangen nach jahrelanger Vorbereitung dann endlich an zu bauen… In Russland macht man einfach.

„Noch nie was passiert“, das war auch die Antwort als ich anmerkte, dass ein Stromkabel drei Meter über den Boden diagonal über den Hof zu spannen vielleich nicht gerade die beste Lösung sei. Vor allem, wenn die Distanz zum Schulgebäude 50 Meter beträgt und kein Stützmast eingebaut wurde. Auch der Mast am Rand des Schulgelände rostet… Aber darüber mache ich mir jetzt mal auf russische Art keine Sorge – es ist ja noch nichts passiert.

Das Schulsystem in Russland…

Stundenplan Russland

Mein Stundenplan

…unterscheidet sich von unserem in Deutschland. Statt unseren 12 Jahren haben Schüler hier nur 11 Jahre Schule, was sich jedoch nicht auf das Abschlussalter auswirkt. Denn hier kommt man erst mit 7 Jahren in die Schule. Jedoch lernt man schon im Kindergarten lesen und schreiben. So fällt unsere 1. Klasse in Russland weg.

Klassenzimmer, Schule No. 1, Volzhskiy, Russland

Das markanteste Merkmal, in dem sich das Schulsystem unterscheidet, ist der Verlauf der Oberstufe. In Deutschland wird in der Oberstufe das Klassensystem aufgelöst und das Kurssystem einführt. Hier können sich die Schüler individuell entfalten. In Russland hingegen findet ein solcher Bruch nicht statt. Es geht weiter im alten Trott. Die Klasse verändert sich zwar, da viele Schüler nach der 9. Klasse eine Ausbildung machen und die Schule verlassen, aber der Unterricht findet weiter in allen Fächern statt. Diese fehlende Selektion und die dazukommende fehlende Schulzeit machen den Schulalltag doppelt schwer.

Chemiekabinett, Schule No. 1, Volzshkiy, Russland

Chemiekabinett

Ganz oberflächlich wird man sofort feststellen, dass sich auch die Art zu unterrichten von unserer sehr unterscheidet. Es gibt vor allem Frontalunterricht. Seit ich hier bin, gab es noch kein einziges Handout. Die Informationen werden manchmal an die Tafel geschrieben, noch häufiger aber werden sie vom Lehrer einfach diktiert. So sind die Schüler immer sehr viel mit Schreiben beschäftigt, diskutiert wird nie. In allen Fächern existieren kleine Hefte, die etwas breiter sind als unsere DIN A5 Hefte. In ihnen schreibt man alles mit, was der Lehrer sagt und diktiert.

Klassenzimmer, Schule No 1, Volzhskiy, Russland

Für mich heißt das, dass ich nur wenig verstehe und keine Mitschriften habe, da ich kyrillisch nicht so schnell schreiben kann. Die Handschriften meiner Klassenkameraden kann ich leider nicht entziffern, weil ich nur die Standardschrift lesen kann. Ich hoffe, das wird bald besser. Im Unterricht beschäftige ich mich deshalb oft mit meinen Russisch-Lehrbüchern oder versuche mit Google-Translate zumindest zu ergründen, worum es gerade geht. Zu Hause arbeite ich den Stoff in den Fächern Mathe, Physik, Bio und Chemie so gut es geht online nach. Oft ist es gerade in Naturwissenschaften allerdings Stoff, der bei uns in der Schule gar nicht mehr drankommt, oder nur im Leistungskurs Abitur. Technologie, Geschichte und Sozialkunde muss ich erstmal weglassen, da die Inhalte ganz anders sind und ich dazu online nichts auf deutsch oder englisch finde.

Sportplatz, Schule No. 1, Volzshkiy, Russland

Sportplatz

Ganz anders ist auch der Sportunterricht. In meiner Schule in Berlin haben wir sehr oft Mannschaftsspiele gespielt. Hier geht es immer um Wettbewerb: Wer springt höher, schneller, weiter. Auch das Drumrum ist für mich ungewohnt. Wir müssen in Reih und Glied stehen, „Hände an die Hosennaht“ und so weiter, wer sich nicht im Gleichschritt bewegt, bekommt einen Rüffel. Wie in der Armee! Das kenne ich nur aus Filmen, das war für mich am Anfang sehr skurril. Aber mein Gastbruder hat gar nicht verstanden, dass ich mich darüber gewundert habe. Also wundere ich mich jetzt auch nicht mehr.

Es gibt eine Schulkantine, in der man sich Tee und Gebäck kaufen kann. Leider sind die Pausen immer sehr kurz.

Schulkantine, Schule No. 1, Volzshkiy, Russland

Schulkantine

Eine Reise mit der Marschrutka – Ein Abenteuer

In Volzhskiy und generell in ganz Russland ist es normal die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. In den meisten Städten gibt es Busse oder Trolleybusse und in manchen sogar Straßenbahnen. Größere Städte wie zum Beispiel Moskau haben Metros.

Doch überall egal in welche Stadt man geht findet man sie: Marschrutkas. Marschrutkas sind die Kleinbusse, die auf den ersten Blick wie Lieferwagen aussehen. In meiner Stadt haben sie meistens eine gelbe Farbe. Sie zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass sie oft nicht den neuesten Standard haben. So kann ich mir nicht vorstellen, dass ein solcher Kleinbus auf deutschen Straßen fahren darf.

Natürlich gibt es auch normale Busse. Aber die haben einen festen Zeitplan und fahren oft nicht so wie man es braucht oder langsam. Marschrutkas hingegen sind schnelle Ungetümer, die auf bestimmten Strecken rasen. Man kommt schneller mit ihnen voran. Das liegt vor allem daran, dass sie nicht überall halten, sondern nur bei Handzeichen von Menschen an der Haltestelle und auf Ansage der Passagiere einen Stop einlegen.

Wie kommt man also hinein mit dem Handzeichen und wie kann man bezahlen?

Wenn man das System verstanden hat, ist es nicht mehr so verwirrend. Zuerst musste ich erstmal meine Gastmutter fragen, welche Marschrutka-Nummern ich nehmen kann, denn an unserer Haltestelle kommen viele Linien vorbei. Ich wollte bei meiner ersten Marschrutkafahrt zur „Wolgamoll“, der größten Mall in der Stadt. Als ich dann mit einem Zettel ausgerüstet, auf dem die Busnummern drauf standen, an der Bushaltestelle stand hielt Gott sei dank sofort einer der Busse, der auch schon von einer anderen Frau angehalten wurde. Ich stieg also ein und fragte den Fahrer

Wolgamoll?

und kriegte ein Kopfnicken und Grunzen zurück. Dann bekam ich auch schon eine Ansage: Ich hatte die Tür hinter mir nicht zugezogen, da ich nicht wusste, dass man das machen muss. Ich setzte mich also mit rotem Kopf und suchte mit Herzrasen mein Geld zusammen. Schließlich drückte ich dem Fahrer während der Fahrt meinen Hunderter in die Hand und er sucht auch fahrend nach Wechselgeld. Die Fahrt kostet 21 Rubel (=25-30 Cent) und so bekomme ich massig Wechselgeld.

IMG-20180907-WA0029-1.jpegDie Reise verläuft mehr oder weniger gut, bis auf die Tatsache, dass mir vom wilden Fahrstil des Fahrers schlecht wird. Doch für die Fahrmanöver habe ich schon bald keinen Blick mehr. Ich muss gucken, dass ich meine Haltestelle bekomme, denn Ansagen gibt es nicht. Schon mehrmals habe ich gehört was die anderen Fahrgäste gesagt haben als sie aussteigen wollten.

На остановке, пожалуйста [na ostanovke pozhaluysta]

Also nehme ich all meinen Mut zusammen und tue es ihnen gleich, als ich das große Gebäude mit den Lettern WOLGAMOLL erblicke. Zum Glück hielt der Fahrer dann auch und ich war froh endlich da zu sein.

Natürlich holte ich mir gleich den nächsten Rüffel. Denn um keinen Tadel zu bekommen, warf ich diesmal die Tür mit Schwung hinter mir zu. Zu dumm, dass ich nicht gesehen habe, dass hinter mir eine ältere Dame mit vielen Einkaufstaschen stand, die auch aussteigen wollte… Es ist noch kein Marschrutka-Meister vom Himmel gefallen!

Erster Schultag

Ein ganzes Schuljahr liegt jetzt vor mir. Ich hoffe jetzt erstmal, dass mein Russisch bald besser wird. (Ich habe schon zwei Jahre im Selbststudium gelernt, in der Familie verstehe ich schon sehr viel. Aber sprechen klappt noch nicht so gut.) Englisch sprechen meine Mitschüler noch nicht so besonders, obwohl es eine Schule mit Sprachprofil ist.

Meine Schule

Für mich sah meine neue Schule auf den ersten Blick aus wie ein Gefängnis mit bunten Bannern. Wahrscheinlich werden mir das meine Klassenkameraden bestätigen, aber ich hoffe, dass sich das mit der Zeit ändern wird und ich warme Gedanken habe, wenn ich das Bild angucke.

Am 1. September war der erste Schultag. Luftballons in den Farben Russlands. Und alles sehr festlich. Am Tag vorher habe ich Blumen gekauft, alle Schüler hatten welche dabei.

Beim Appell wurde viel berichtet über neue Sachen, die in der Schule anstehen. Der erste Schultag ist ein Tag um die Schule zu loben. Zwei Schüler aus der 11. Klasse (Abschlussklasse in Russland) moderierten. Gesungen wurde natürlich auch.

Noch muss ich mich hier zurechtfinden. Doch ich komme erstmal in die Klasse von meinem Gastbruder und soll mir so im ersten Monat behilflich sein.