Abitur auf Kasachisch

Heute ist an der Schule Abschlussfeier für die Abiturienten. Der Platz vor der Schule ist gut gefüllt. Viele Leute sind gekommen, für das Dorf ist es ein großes Ereignis. Das sieht man auch daran, wie die Menschen angezogen sind: Schicker als in der Oper in Berlin.

Abifeier2017_Kasachstan

Dass es die Abifeier sein soll, verstehe ich erst viel später. Ich denke zuerst, dass die Erstklässler eingeschult werden, da die Abschlussklase noch nicht auf den vorgesehenen Stühlen sitzt.

Abifeier_Ansprache_Kasachstan

Zunächst einmal wird die Hymne von Kasachstan gespielt. (In dem Link kann man sich den Text auf deutsch durchlesen.)

Flagge Kasachstan

Alle drehen sich zur Flagge. Nur ich bin verwirrt, da ich nicht weiß, wie man das macht. In Deutschland ist es ja nicht üblich mit Hand auf die Brust aber zur Fahne hin zu singen. Hier scheint das aber ganz normal. Dann folgt das Kulturprogramm. Kleine Mädchen in weißen Kleidern treten auf. Sie sind rausgeputzt als wäre eine Hochzeit.

Tanz_Abifeier_Kasachstan

Sie tanzen einen Tanz, der durch den kasachischen Gesang einen orientalischen Hauch hat, auch die Bewegungen sind dementsprechend.

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Kasachisch ist eine Turksprache. Das ist die offizielle „Staatssprache“ in Kasachstan und die Sprache der Kasachen untereinander. Sie machen ungefähr die Hälfte der Bevölkerung in Kasachstan aus. Alltagssprache hier im Norden ist aber Russisch, das ist eine slawische Sprache. Die Sprachen klingen also ganz anders. Russisch ist neben Kasachisch in Kasachstan Amtssprache, also die Sprache für öffentliche Organisationen.

Im Dorf ist alles zweisprachig. Auch die Schule in Nowo-Ilyinowka hat eine kasachischsprachige und eine russischsprachige Abteilung. Viele Kasachen hier gehen trotzdem in die russischsprachige Abteilung. Nur die Kasachen nicht, die aus China oder der Mongolei zum Beispiel hierhin umgezogen sind. Sie können kein Russisch. Es gibt Kasachen in China, in der Türkei, in der Mongolei, in Russland oder auch in Usbekistan. In China und der Mongolei sind die Kasachen sehr arm, deshalb sind viele nach Kasachstan gekommen und in die Häuser eingezogen, die von den Russland-Deutschen zurückgelassen worden, die jetzt in Deutschland leben.

Abiturienten_Kasachstan

Die Abiturienten sitzen jetzt im Halbrund auf Stühlen. Die Direktorin Elena Alexandrowna (die Tochter meiner Gastmutter) hält zu jedem Schüler eine Ansprache. Alle kommen nach vorn, um ihre Zeugnisse entgegenzunehmen.

Direktorin_Abifeier_KasachstanAbiturient_KasachstanP1030200

Manche bekommen Geschenke von ihren Verwandten. Mir wird etwas langweilig und ich werde von vielen Mücken und Mosquitos angegriffen, da ich vergessen habe mich einzusprayen.

Tanz_Abiturienten_Kasachstan

Plötzlich gehen alle Abiturienten in die Mitte unseres Kreises und fangen an zu tanzen. Es ist ein ca. sechsminütiges Medley von teils westlichen teils kasachischen teils russischer oder auch klassischer Musik. Es gibt auch einige Lieder aus den 80ern.

Tanz_Paare_Abitur_KasachstanTanz_Kasachstanp1030205.jpg

Am Ende wird eine Schachtel geholt. Darin sind Tauben. Es wird immer kitschiger, wenn man die Deko des Eingangs betrachtet.

Tauben_Abschluss_KasachstanTauben_Kasachstan

Es wird noch besser, da die Tauben zusammen in einem Schwarm bleiben und ihre Runden über der Schule ziehen, bis sie sich dann langsam in Grüppchen verstreuen.

Tauben_Abschlussfeier_Kasachstan

Am Ende der Veranstaltung treffe ich meine neuen Bekannten aus dem Flugzeug wieder. Natürlich sind sie auch zu der Feier gekommen. Sie fragen, ob mit mir alles ok ist und ob ich irgendetwas brauche. Ich berichte von meinen Abenteuern.

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Mit Natalia Iwanowna (links, ehem. Stellv. Direktorin) und Elena Alexandrowna (Direktorin)

Natalia stellt mich ihren Lehrer-Kollegen vor. Wir machen ein Foto mit der Direktorin, ihrer Tochter. Am Ende gehen wir nach Hause mit der Schwester des Schwagers von Natalia und ihren zwei Kindern plus den zwei Kindern des Schwagers. Großfamilie.

Im Sommer an den Winter denken

Katzen_Dorf

Faul den Sommer verschlafen können in Kasachstan nur die Katzen. Alle anderen müssen rechtzeitig an den Winter denken. Zum Beispiel Kräuter trocknen, Obst und Gemüse einwecken, Fleisch konservieren.

Kräuter_KasachstanPilze_eingeweicht_Kasachstan

Heute ging es ans Pilze einwecken. Die braucht man für viele Gerichte der russischen Küche. Da im Winter der Schnee meterhoch liegt, kann man nicht einfach in die Stadt fahren. Die Preise in den Läden im Dorf sind sehr hoch, denn auch sie müssen weit fahren. Natalia Iwanowna kauft dort nur wenige Sachen.

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Um die Gläser und Deckel zu sterilisieren, werden sie vorher gewaschen und gekocht.

Gläser_Einwecken_Kasachstan

Die Pilze werden gekocht und danach in Gläser gefüllt und mit einem Sud begossen.

Sud_PilzeSommerküche_Kasachstan

Anschließend stellt man die Gläser auf den Kopf. Das tötet die Bakterien im Deckel. Es entsteht ein Vakuum. So halten die Pilze mehrere Jahre.

Pilze_Sommerküche_Kasachstan

Zu den Fischen durch die Geisterstadt

Steppe

Am späten Mittag wurde mir verkündet, dass es heute nach langem Versprechen endlich zum Angeln geht. Wir fahren um 17 Uhr los und verlassen unser Dorf mit dem Auto.

Kühe_Steppe_KasachstanSteppe_Kasachstan

Es gibt viel zu sehen: Die schöne Natur zwischen Strommasten und Mülldeponien der einzelnen Dörfer. Ich sehe nur wenige Hügel, sonst ist die Steppe hier ganz flach. Man sieht die Hügel in der Ferne, keine Hindernisse verstellen unseren Weg. Nur primitive Strommasten und hier und da eine industrielle Eisenbahnstrecke, viele leerstehende Ställe am Straßenrand.

Ställe_Landschaft_Kostanai

Dieser Landstrich ist abgewirtschaftet. Es gibt nur noch wenige Ressourcen so scheint es. Ab und zu sehe ich schwere Maschinen, wie die in Brandenburg zur Zeiten der Braunkohleförderung. Die machen Eindruck, zugleich sehe ich sie stillstehen. Ich entdecke nur noch wenige. Man kann sich sicher sein, dass bald alle verschwunden sein werden.

Landschaft_Kasachstan_KostanaiLandschaft_Kasachstan_Strommasten

Die ersten Häuser sind verlassen, die ersten Siedlungen aufgegeben. Wir kommen an Dutzenden Ruinen vorbei, die vom Aufschwung und Abtrieb dieser Region zeugen. Es ist, als würde man durch eine endlose Geisterstadt fahren. Dazu kommt, dass die Straßen staubig sind, so dass es immer trostloser wirkt.

Ruinenstadt_KasachstanStraße_Kostanai

Nach einer Weile kommen wir an einem See mit schönem blauen kristallklarem Wasser vorbei. Wir fahren vorbei und ich frage mich, wohin wir denn wollen, wenn wir an dem See vorbei fahren. Nach weiteren Minuten Fahrt sind wir da. Es ist ein schöner See mit ein paar Bäumen an seinem Ufer. Er ist sehr eingesenkt an unsere Stelle, wo wir geparkt haben. Wir steigen aus.

Panorama_Angeln_Kasachstan

Die Männer meiner Gastfamilie gehen sehr gern angeln. Nicht nur, um den Fisch zu essen, sondern vor allem als Hobby. Sie zeigen mir, wie es geht. Denn ich habe überhaupt keine Ahnung, was ich machen muss.

Angelausflug_Kasachstan

Am Ende war mir das Anglerglück hold: Vier Fische zog ich an Land. Nicht schlecht für mein erstes Angelabenteuer.

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Waschtag auf dem Dorf

Vor meiner Abreise habe ich mir einige Sorgen gemacht, wie das mit dem Wäschewaschen wird in Kasachstan. Deshalb habe ich am Anfang meine Sachen nur selten gewechselt. Dann hat mich meine Gastmutter aber geschimpft. Sie ist wie alle hier sehr auf Ordnung bedacht. Es wird laufend geputzt und gewienert. Und Wäsche gewaschen.

Wäsche_Waschen_Kasachstan

Dafür wird die Waschmaschine mit heißem Wasser befüllt. Dann legt die Maschine los. Das dreckige Wasser kommt über einen Schlauch wieder raus, da muss man dann einen Eimer hinstellen.

Waschmaschine_Kasachstan

Die Wäsche wird im Hof auf die Leine gehangen. Bei der Hitze ist das auch in wenigen Stunden alles trocken. Wenn es regnet kann natürlich nicht gewaschen werden. (Es hat hier schon einige Male den ganzen Tag sehr stark geregnet.)

Waschtag_Kasachstan

Das Wasser in der Badewanne ist Regenwasser. Damit wird der Gemüsegarten gegossen.

Im Schlaraffenland

Kompott_Kasachstan

Bei meinen Gasteltern wird den ganzen Tag gekocht. Dann essen immer alle gemeinsam. Es ist wie beim Tischlein-deck-dich. Wenn ein Verwandter oder Bekannter hereinschneit, wird schnell noch ein Teller aufgetan. Es ist immer reichlich da und alle rücken gern zusammen. Heute gab es Plov (ein usbekisches Reisgericht) und Nudelsuppe (die haben die Russland-Deutschen hier eingeführt).

Plov_Kasachstan

Weil in Kasachstan so viele Völker zusammenleben, kochen auch alle die Gerichte von ihren Nachbarn aus Zentralasien. So habe ich bei Natascha schon Manti probiert (ein Gericht der Kasachen), das sind gedämpfte Nudeltaschen mit Fleisch. Oder auch Piroschki, auf deutsch Piroggen (eine Leibspeise der Russen und bisher mein Lieblingsgericht), das sind Hefeteigbrötchen mit Füllung (Kartoffeln, Kraut, Fleisch). Sie werden in Fett ausgebacken.

Piroschki_Piroggen

Fettig liebt man es hier, das gilt besonders für Tschebureki. Das ist ein russisches Fast-Food-Essen, das von den Krimtataren abstammt. Fast-Food nicht bei Natascha: Sie macht alles selbst, Teig, sogar das Fleisch macht sie selbst zu Hackfleisch. Hier habe ich mal fotografiert, wie Tschebureki zubereitet werden.

Tschebureki (1)Tschebureki (4)Tschebureki (2)Tschebureki (3)

Ein Haus für den Sommer, eins für den Winter

Haus_Kasachstan

Auf dem Hof meiner Gasteltern gibt es zwei Häuser: ein Winterhaus und ein Sommerhaus. Im Sommerhaus gehen alle Verwandten ein und aus. Am Anfang hat mich das überrascht. Wenn man früh aufsteht, sitzen immer andere Menschen in der Küche. Jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Ich kenne inzwischen ja auch fast alle. Auch die Enkelkinder von Natalia Iwanowna kennen mich jetzt schon besser und haben keine Angst mehr. Am Anfang haben sie sich gefürchtet, weil sie mich nicht verstehen, vor allem die Kleinen. Das ist jetzt besser.

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Im Winterhaus  wird eigentlich nur geschlafen und Fernsehen geguckt, wenn schlechtes Wetter ist. In den durchschnittlich -5°C bis -16°C kalten Wintermonaten kann es sogar  -40°C werden, in der Nacht noch mehr. Dann halten sich alle im Winterhaus auf und wärmen sich an den vielen Öfen.

Korridor_Winterhaus_Kasachstan

Wohnzimmer_Kasachstan

Es gibt zwei Zimmer (комната), dazu ein großes Wohnzimmer (гостиная) und ein kleines Badezimmer (ванная), was allerdings bloß aus einem Waschbecken besteht, in das man Wasser in ein Metallgefäß oberhalb des Waschbeckens hineinfüllt. Es gibt auch einen Nachttopf, der in der Nacht als Toilette fungiert da es nicht bequem ist über den halben Hof zu laufen anstatt einfach daheim zu gehen. Es gibt auch eine Küche (кухня), in der man aber nur Sachen auf den Herd stellen kann und kochen, wie zum Beispiel Tee. Es gibt auch in der Küche kein Wasser.

Sommerhaus_Kasachstan

Im Sommerhaus gibt es die Sommerküche. Hier hält man sich in den heißen Monaten auf (Juni, Juli, August, Temperaturen bis +50°C) und bereitet sich für den Winter vor. Man muss Obst und Gemüse einkochen und auch Fleisch. Im September schneit es manchmal schon wieder. In der Sommerküche gibt einen Herd, aber auch hier kein fließendes Wasser. Das muss im Brunnen geholt werden.

Brunnen_Dorf_Kasachstan

Ein seperates Haus, was an das Sommerhaus angrenzt ist die Banya (баня), das Badehaus. Dort wird sich gewaschen, Zähne geputzt und geschwitzt. Geschwitzt, weil die Banya wie eine Sauna funktioniert und nicht zu verwechseln ist mit einem Badezimmer (ванная). Sie wird fast jeden Tag angeheizt.

Banja_Kasachstan

Rechts gegenüber der Banya ist die Toilette (туалет), zu der ich lieber nichts schreibe, da sich die meisten sicherlich eine Toilette ohne Wasser gut vorstellen können.

Toilette_Hof_Kasachstan

Dort bei der Toilette beginnt auch die für mich geltene Zone des Todes. Es ist der Teil des Hofes, der mit Tieren besiedelt ist. Auf dem Hof wacht ein großer Hund mit  gefletschten Zähnen und einer nicht misszuverstehenden Bell-Artikulation seinerseits und versperrt mir somit die Möglichkeit, allein zu den Tieren zu kommen ohne zerfleischt zu werden. Ich war trotzdem schonmal da, weil sie die Hundehütte, an der er angekettet ist, mit einer Platte verdeckt hatten, auf die sie einen Baumstamm legten.

Stall_Kasachstan

Wie die Katzen hier klarkommen, weiß ich nicht. Vielleicht sind sie deshalb immer in der Sommerküche.

Katze_Kasachstan

Auf dem Hof gibt Hühner, Schweine (eine Mutter und zwei Ferkel), Enten und viele Küken. Alles zum Selbstessen. Kühe gibt es keine mehr, das lohnt sich nicht und macht zu viel Arbeit. Milch, Quark und Butter kauft Natalia Iwanowna bei einer Bäuerin in der Nachbarschaft.

Dorfstrasse_Kasachstan

Das Gemüse wird im Gemüsegarten (огород) angebaut, Obst und Blumen wachsen im Garten (сад). 

Gemüsegarten_Kasachstan

Garten_Dorf_Kasachstan

Mathe meine Freude

 

Matheunterricht_Kasachstan

Der Ernst des Lebens ist da – willkommen in der Schule am anderen Ende der Welt. Heute beginnt mein Matheunterricht. Praktischerweise bei Natalia Iwanowna. Sie ist nämlich nicht nur meine Gastmutter, sondern seit über 40 Jahren Mathelehrin. Fun fact: Auch ihre zwei Töchter sind Mathelehrerinnen. Eine echte Mathe Dynastie also.

Der Unterricht in Mathematik ist in Kasachstan sehr fortgeschritten. Im Dorf gibt es einen Jungen, der in Deutschland geboren wurde und dort zur Schule ging. Jetzt lebt er hier. Er musste erstmal in die fünfte Klasse in Mathe, obwohl er in NRW in der neunten Klasse war. Erst später konnte er in seine richtige Klasse.

Ungefähr so geht es mir jetzt auch. Ich wusste das zum Glück schon, weil ich bei meiner letzten Reise schon mal eine Schule besucht habe. (Kurz.)

Deshalb bekomme ich auch Einzelunterricht. Ich habe ein Buch dabei mit den Themen. Wir arbeiten es durch. Leider können wir nicht alles behandeln, zum Beispiel Geometrie nicht. Denn ich verstehe ja kein Russisch oder nur ein bisschen. Also bleiben wir bei Zahlen und Formeln. Das geht auch ohne Sprache.

  • Brüche
  • Potenzgesetze
  • Wurzeln
  • Ausklammern von Termen
  • Lineares Gleichungssystem

Ein paar Mathe Wörter habe ich schon aufgeschnappt. Jedenfalls kommen wir trotzdem gut voran.

 

Die „Shopping-Mall“

Laden_Kristall

Dieser Laden heißt „Kristall“. Wir wollen Brot kaufen und Eis. Viele Sachen macht Natalia Iwanowna selbst, sogar Teigwaren. Aber Brot kauft sie im Laden. Für größere Einkäufe fährt sie mit Verwandten in die nächste Stadt. Ohne Auto geht das nicht. Es gibt keinen Bus. Deshalb verkauft der Laden die wichtigsten Sachen: Wodka, Kochtöpfe, Seife, Tütensuppen, Eier.

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Es gibt eine eigene Vitrine für Kinderbedarf: Schulrucksäcke, Basecaps, Turnschuhe, Kuscheltiere.

Vitrine_Laden_Kasachstan

Sogar eine Gefriertruhe mit Fleisch und Pelmeni gibt es.

Gefriertruhe_Laden_Kasachstan

Die Schule

Schule_Nowo_Ilyinowka_Kasachstan

Mittelschule Nowo-Ilyinowka

Heute ist es soweit: Ich gehe zum ersten Mal in Kasachstan in die Schule. Von Nataschas Haus sind es 10 min Fußweg und man muss über einen Bach über eine Steinbrücke. Die Häuser, die wir auf unserem Weg sehen, ähneln Nataschas Haus sehr. Das liegt daran, dass diese Siedlung so wie die meisten Siedlungen in dieser Region zur gleichen Zeit gebaut wurde. Damals (in den 1950ern) sind aus der ganzen Sowjetunion Leute in den Norden von Kasachstan gekommen. Die Steppe sollte für die Landwirtschaft genutzt werden. Diese Epoche heißt „Neulanderschließung“. Deshalb wohnen im Norden von Kasachstan viele verschiedene Nationalitäten zusammen, nicht nur Kasachen.

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Schule_Kasachstan_Natalia

Natalia Iwanowna vor der Schule

Natalia Iwanowna war an der Schule lange stellvertretende Direktorin. Jetzt ist sie Rentnerin. Aber weil sie so wenig Rente bekommt arbeitet sie immer noch als Lehrerin. Für ein paar Stunden in der Woche. Außerdem gibt es genau wie in Deutschland auch in Kasachstan Lehrermangel. Deshalb überredet die Direktorin sie jedes Jahr, wieder Stunden anzunehmen. Da hat die Direktorin gute Karten. Denn sie ist die Tochter von Natalia Iwanowna.

Schule_Kasachstan_Schulflur

Die Schule wurde vor ein paar Jahren komplett renoviert. Alles ist sehr sauber und ordentlich, auch die Toiletten. (Da wird ein Berliner Schüler schon etwas neidisch.)

p1030129.jpgTreppenhaus_Schule_Kasachstan

Überall kann man in Kasachstan Hinweise auf die Expo in Astana finden. Natürlich auch in der Schule. Ich hoffe, dass ich mir das auch anschauen kann. Ansonsten ist das Treppenhaus mit Schülerarbeiten dekoriert. Das ist wohl überall auf der Welt gleich.

Wanddekoration_Schule_KasachstanIn der Schule findet heute ein Fest statt. Aber nicht um mich zu begrüßen. Gefeiert wird die neunte Klasse. Denn nach der 9. Klasse finden Prüfungen statt, die so ähnlich sind wie der MSA. Danach kann man die Schule verlassen und einen Beruf lernen. Ansonsten kann man auf der Schule bleiben und noch zwei Jahre weiterlernen. Darauf folgt dann eine Prüfung wie das Abitur. Dann kann man studieren. Weil es eine Vorschule gibt, sind alle ein Jahr älter als bei uns. Also in der 9. Klasse sind sie 16.

Schule_Kasachstan_Schulabschluss

Heute verabschiedet Anastasia Alexandrowna ihre 9. Klasse. Sie ist die Klassenlehrerin. Und außerdem ist sie die zweite Tochter von Natalia Iwanowna. Ihre Schüler sind alle sehr aufgebrezelt. Sie tragen alle eine Schärpe in den Nationalfarben (hellblau/gold). Es gibt ein Kulturprogramm. Auch die Abschlussklasse selbst trägt etwas vor. Die Mädchen sind sehr gerührt. Die Jungs scheinbar nicht so.

Schule_Kasachstan_AbschlussklasseSchule_Kasachstan_KulturprogrammSchule_Kasachstan_Abschlussklasse_Kulturprogramm

Auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis!