Hundeblut und Kotzfrucht: Esskultur, China Teil 3

Abendessen

Kleiner Snack made in China

Mit meiner Gastfamilie hatte ich sehr viel Glück. Sie waren alle sehr nett und haben sich jede Mühe gegeben, mir einen schönen Aufenthalt zu bereiten. Wir hatten vorher kurz E-Mails geschrieben, so dass sie schon wussten, dass ich bei Essen sehr viel ausprobieren wollte. Am Anfang waren sie nicht so sicher, ob ich das ernst meine und haben mir eher „harmlose“ chinesische Speisen serviert wie Baozi (gedämpfte Teigtaschen mit Füllung). Aber das hat sich schnell „gesteigert“.

Meine Gastmutter hat jeden Tag für uns frisch gekocht, das war natürlich besonders toll, weil das in China nicht so üblich ist. Immer gab es etwas Besonderes für mich zu kosten. Sie wollten mich natürlich auch testen. Am letzten Tag war die Brühe im Hotpot zum Beispiel so scharf, dass sogar meinem Gastbruder die Tränen in die Augen schossen. Mir hat es an diesem Tag besonders gut geschmeckt.

Foodcourt statt Street Food

Foodcourt statt Street Food

Auch auf der Straße habe ich viel ausprobiert: Stinkenden Tofu zum Beispiel. Schmeckt. Leider konnte ich keine Kotzfrucht kosten (heißt so, weil sie so stinkt), da ich keine ganze kaufen wollte und es an den Snackverkaufsstellen so etwas nicht gab. Die wächst nicht in der Gegend und ist deshalb teuer. Da muss ich wohl noch mal wiederkommen oder in den Süden von China fahren.

Es gibt auch allerhand kulinarische Merkwürdigkeiten, zum Beispiel Reis am Stiel. Ich hatte auch einmal gefrorene Erbsen, auch am Stiel. Die Chinesen essen lieber herzhaft als süß. Die eigentlichen Süßigkeiten sind dann aber wiederum so süß, dass man sich das Erbseneis zurück wünscht.

Reis am Stiel

(R)Eis am Stiel

Hotpot

Hotpot

Beim Essen gab es die ein oder andere witzige Situation. Einmal schwamm in der Hot Pot Brühe so eine Art Wackelpudding. Ich fragte nach, was es ist: Hundeblut. Es war sehr lecker. Als ich schon nach Hause geschrieben hatte, dass in China tatsächlich Hunde gegessen werden, löste sich das Missverständnis auf: Es war Entenblut (duck blood), ich hatte mich aufgrund der Aussprache verhört und Hundeblut (dog blood) verstanden. Wir haben sehr gelacht.

Mit meiner Gastfamilie konnte ich sehr gute Gespräche führen, sogar über Politik und Geschichte, wofür ich mich besonders interessiere. Zwar hatten sie natürlich oft eine andere Meinung als ich, zum Beispiel zum Thema Taiwan, aber ich fand es interessant, ihr Perspektive zu hören. Insgesamt war der Aufenthalt in der Gastfamilie für mich die beste Art, wirklich etwas über das Land zu erfahren.

Ich war mit sieben Jahren schon einmal in Peking und konnte mich an viele Dinge erinnern, die es jetzt nicht mehr gibt. Zum Beispiel sind alle Straßenhändler verschwunden, es gibt keine Gemüsehändler am Straßenrand mehr, keine Verkäufer mit frischer Sojamilch oder frittiertem Brot von der Schubkarre morgens um sechs, zumindest da, wo die Gastfamilie wohnt. Denn es gibt jetzt nur noch reguläre Geschäfte. Die haben manchmal eine Luke und verkaufen auf die Straße, das ist jedoch nicht das gleiche Feeling. Ansonsten gibt es Foodcourts in den Shopping Malls.

Im Markt

Das hatte ich schon in der Zeitung gelesen, konnte mir das aber nicht vorstellen. Die Idee dahinter ist, auf diese Art chinesische Wanderarbeiter aus der Stadt zu vertreiben, da sie meist diese einfachen Jobs gemacht haben. Ich persönlich finde das sehr schade, denn die Stadt sieht dadurch nicht mehr so interessant aus.

Auch viele schöne Dinge sind verschwunden wie die traditionellen geflochtenen roten Glücksbringer, die ich für meine Freunde kaufen wollte. In den Souvenirgeschäften werden nur sehr hässliche Varianten verkauft. Meine Gastfamilie meinte dazu, das wäre eben altmodisch gewesen, zehn Jahre in China sei eine lange Zeit und jetzt wäre alles viel besser und moderner. Aber in Deutschland gibt es ja auch Kuckucksuhren und Lederhosen und Mauerstücke zu kaufen, und gerade Chinesen lieben Fachwerkhäuser oder Gründerzeitvillen. Aber das wäre etwas ganz anderes, fand die Familie. (Wahrscheinlich halten sie Europa insgesamt für ein Museum mit angeschlossenem Museumsshop…)

Pekings Wolkenkratzer.jpg

Peking 2018

Sehr skurril fanden wir alle, dass es viele Lebensmittel aus Deutschland gibt, sogar Milch. „Made in Germany“ gilt unter wohlhabenden Chinesen als schick – das muss man sich leisten können, denn die Milch ist auch nach deutschen Verhältnissen nicht gerade billig für H-Milch.

Geld verdienen mit Milch aus Deutschland

Milchparade „made in Germany“

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